Oft finden himmlische Ereignisse zu einem Zeitpunkt statt, wenn die meisten Menschen schon längst oder noch immer den Schlaf des Gerechten schlafen. Diesmal nicht. Diese Finsternis könnte zeitlich kaum bequemer liegen. Sie beginnt um 20.23 Uhr MESZ und nur wenige Minuten später erscheint der Mond auf der Himmelsbühne. Lediglich der ohnehin nicht wahrnehmbare Eintritt unseres Trabanten in den Halbschatten der Erde vollzieht sich noch unter dem Horizont.

Um 21.36 Uhr MESZ beginnt dann die visuell spannende Phase: Der Mond tritt in den kegelförmigen Kernschatten der Erde ein, der unseren Begleiter von links unten beginnend und nach Norden wandernd in ein dunkles kupferrotes Licht taucht. Zur Mitte der Finsternis um 23.10 Uhr MESZ befindet sich der Vollmond immerhin zu rund 81 Prozent im irdischen Kernschatten, nur eine schmale Sichel wird noch direkt vom Sonnenlicht angestrahlt.

Rund neunzig Minuten später – um 0.45 Uhr MESZ – verlässt unser Trabant die Kernschattenzone wieder, womit der sichtbare Teil der Finsternis abgeschlossen ist. Das eigentliche Ende markiert jedoch erst der Austritt des Mondes aus dem Halbschatten. Dies wird erst um 1.57 Uhr MESZ passieren.

Der kegelförmige Kernschatten der Erde reicht rund 1,4 Millionen Kilometer in den Raum hinaus, also bis weit über die Mondbahn. In diese Zone fällt im Gegensatz zum Halbschatten überhaupt kein direktes Sonnenlicht. Dass der Mond trotzdem sichtbar ist, während er diesen Bereich durchquert, verdanken wir der Erdatmosphäre. Sonnenstrahlen, die unsere Lufthülle streifen, werden abgelenkt und gelangen so in die Kernschattenzone.

Bei dieser so genannten Rayleigh-Streuung wird insbesondere das blaue Licht in der Atmosphäre gestreut (deshalb erscheint uns der irdische Himmel blau) und der Rotanteil des übrigen Lichts nimmt zu. Dieses Restlicht genügt, um unseren Trabanten etwas zu erhellen und verleiht ihm das finsternistypische, rot schimmernde Aussehen.

Anhand der Färbung des Mondes können Wissenschaftler Rückschlüsse auf den Zustand der Erdatmosphäre ziehen, der wiederum dafür verantwortlich ist, ob es eine helle oder dunkle Mondfinsternis wird. In seltenen Extremfällen kann es vorkommen, dass der verfinsterte Mond mit bloßen Augen am Himmel kaum noch zu finden ist.

Bis zur nächsten Mondfinsternis müssen wir bis zum 31. Dezember 2009 warten, dann werden aber nur etwa zwei Prozent der Mondscheibe vom Erdschatten erfasst. Die nächste totale Mondfinsternis ist von unseren Breiten aus erst wieder am 21. Dezember 2010 zu sehen.

MS