Ein mit Ebola infizierter Arzt könnte die Seuche in Nigeria weiterverbreitet und auch dort zu einem unkontrolliertem Ausbruch des hämorrhagischen Fiebers beigetragen haben: Mindestens 400 Menschen seien mit dem so genannten "Patienten null" in der Hafenstadt Port Harcourt in Kontakt gekommen – darunter neben seiner Familie auch fast das komplette Krankenhausteam der Stadt sowie Angehörige einer Kirchengemeinde. Die Weltgesundheitsorganisation WHO befürchtet daher, dass es nun zu zahlreichen neuen Krankheitsfällen in Afrikas bevölkerungsreichstem Staat kommt: Bislang zählte sie dort 16 Infizierte und 6 Tote; die Krankheit galt als einigermaßen unter Kontrolle, da alle bekannten Infizierten rasch isoliert wurden. Eine wegen Ebolaverdachts unter Quarantäne stehende Person reiste allerdings illegal nach Port Harcourt und begab sich dort in Behandlung bei dem in der Zwischenzeit verstorbenen Arzt. Dieser behandelte neben dem  – in der Zwischenzeit wieder gesundeten – Mann noch weitere Patienten und verschwieg selbst nach Auftreten erster Symptome die Behandlung des Ebolapatienten. Die WHO hat mittlerweile Krisenteams in die Hafenstadt entsandt, um die weitere Ausbreitung von Ebola zu verhindern.

In der Zwischenzeit verschärfte sich zudem die Situation in den drei hauptsächlich von Ebola betroffenen Staaten Sierra Leone, Liberia und Guinea: Innerhalb von nur einer Woche zählte die WHO weitere 400 Todesopfer; damit steigt die Zahl der Toten auf 1841 offiziell bestätigte. Insgesamt 3685 Menschen wurden nach den aktuellen Zahlen infiziert, die Dunkelziffer dürfte jedoch viel höher liegen. In Genf diskutierten gestern rund 200 Experten, welche noch nicht zugelassenen Medikamente zum Einsatz kommen könnten. Bereits Mitte August erlaubte die WHO die Verwendung von Ebolawirkstoffen, die noch nicht klinisch am Menschen getestet worden sind.