Augenbrauen hochziehen, Zähne zeigen, Augen rollen – Pferde schöpfen, ganz ähnlich wie Hunde, Katzen, Schimpansen und Menschen, aus einem großen Repertoire mimischer Gesten, wenn sie beispielsweise mit Artgenossen kommunizieren. Doch damit Verhaltensforscher in Zukunft nicht allein auf solche allgemeinsprachlichen Beschreibungen angewiesen sind, hat ein Team um Jen Wathan und Karen McComb von der University of Sussex jetzt das weit verbreitete Kodierungssystem für menschliche Gesichtsbewegungen auf die Verhältnisse bei Pferden umgemünzt.

Das EquiFACS (Equine Facial Action Coding System) klassifiziert wie sein menschliches Pendant alle möglichen Ausdrücke, zu denen ein Pferd auf Grund seiner Gesichtsmuskulatur in der Lage ist. Insgesamt 17 voneinander unabhängige Bewegungseinheiten fand und beschrieb das Team in seiner Studie. Der Mensch, der gemeinhin als das Tier mit der größten Mimikvielfalt gilt, kommt auf 27. Schimpansen müssen dagegen mit 13 auskommen, Hunde haben 16, Katzen sogar 21 Bewegungseinheiten. Ein Grund für die Unterschiede findet sich in der Anatomie, so können viele Tiere anders als Schimpansen und der Mensch zum Beispiel die Stellung der Ohren verändern. Bislang sei man davon ausgegangen, dass das Mienenspiel einer Art umso eingeschränkter ist, je entfernter die Verwandtschaft mit dem Menschen, schreiben die Forscher.

Die Wissenschaftler zeigen sich überrascht, dass viele Bewegungseinheiten vom Menschen eins zu eins übernommen werden konnten. In einigen Fällen erzeugt das Pferd zwar einen ähnlichen optischen Eindruck mit anderen Muskeln, in anderen Fällen führt die Bewegung gleicher Muskelpartien zu einem anderen Ausdruck. Insgesamt gebe es jedoch große Übereinstimmungen.

Die Forscher hoffen, mit der Studie ihren Kollegen ein Werkzeug an die Hand zu geben, um das mimische Repertoire von Pferden systematisch und auf objektivierbare Weise zu erforschen. Das soll bei der Pferdehaltung helfen. Der Gesichtsausdruck liefert beispielsweise einen Anhaltspunkt dafür, ob das Tier Schmerzen leidet oder nicht. Erste Tests zeigten, dass auch Menschen, die keine Erfahrung im Umgang mit Pferden haben, das Kodierungssystem verlässlich anwenden können.