Ein Fünftel der über 50 Diktatoren weltweit sind heute älter als 70 Jahre. Selbst wenn sie anscheinend bei guter Gesundheit sind, wie zum Beispiel Kasachstans 76-jähriger Herrscher Nursultan Nasarbajew, stellt sich die Frage: Was kommt nach diesen Autokraten? Doch eine jetzt im "Journal of Democracy" publizierte Studie erteilt den Hoffnungen auf neue Demokratien durch die biologische Lösung eine Absage. Auch die Befürchtung, dass die Staaten nach dem Tod der Herrscher ins Chaos stürzen, ist wohl unbegründet. Die Autorinnen Erica Frantz von der Michigan State University und Andrea Kendall-Taylor vom Nationalen Geheimdienstrat der USA haben 79 Todesfälle von amtierenden Alleinherrschern untersucht und kommen zu dem Schluss, dass das Ableben eines Diktators im Amt für die politische Lage selten Folgen hat: In 92 Prozent aller Fälle blieb das Regime stabil. Die Bedingungen für die Demokratie verschlechterten sich meist sogar noch, weil der neue Herrscher seine Macht konsolidiert.

Mit drei aktuellen Beispielen unterstreichen die Autorinnen das Prinzip: Meles Zenawi in Äthiopien und Kim Jong Il in Nordkorea hinterließen nach ihrem nicht unerwarteten Ende stabile Diktatoren, und selbst das kriselnde Venezuela brach nicht zusammen, als Hugo Chávez 2013 verstarb. Dagegen kollabierte das Regime in etwa der Hälfte der Fälle, wenn der Autokrat sein Amt aus anderen Gründen räumte – bei einem Drittel sogar durch einen Putsch. Das passierte beim Tod eines Diktators nur in sechs Prozent der Fälle. Frantz und Kendall-Taylor führen den reibungslosen Übergang in solchen Situationen darauf zurück, dass es neben dem Diktator genug andere Akteure gibt, die loyal zum System stehen und Interesse an seinem Fortbestand haben. Zusätzlich sei meistens die Nachfolge bereits geregelt – sei es durch einen designierten Nachfolger oder einen formalen Thronfolgeprozess wie zum Beispiel in einer Monarchie. Die Aussichten für die Demokratie sind nach Ansicht vieler Fachleute derzeit weltweit eher schlecht, und auch der eine oder andere tote Autokrat wird den Trend nicht umkehren.