Wer eine Reise auf die Färöer-Inseln oder nach Spitzbergen wagt, der könnte am 20. März 2015 in den Genuss des seltenen Anblicks der Sonnenkorona kommen, denn dort, im hohen Norden, ist diese Sonnenfinsternis total. Aber wegen des niedrigen Sonnenstands und des wolkenreichen Klimas mag man dort auch nur Zeuge einer plötzlich eintretenden, gut zwei Minuten anhaltenden Dunkelheit werden. Wer keine Reise in diese abgelegen Regionen plant, kann die totale Finsternis dennoch live verfolgen. Das Slooh Community Observatory plant, die Finsternis von den Färöer-Inseln zu übertragen.

Partielle Sonnenfinsternis
© Jens Hackmann
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Am 20. März 2015 wird die Sonne über Norddeutschland zu rund 80 Prozent vom Mond bedeckt, über dem Alpenraum zu gut 65 Prozent. Dieses Bild entstand während der partiellen Phase der totalen Sonnenfinsternis vom 29. März 2006 in der Türkei.
Ablauf der Sonnenfinsternis am 20. März 2015 (animierte Grafik)
© NASA
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Zu Hause erwartet uns dafür zwar "nur" eine partielle Finsternis, aber wegen ihrer ungewöhnlichen Tiefe ist der Verlauf mit einer Dauer von zwei Stunden und 20 Minuten relativ lang und somit spannend. Auch lässt sich gegen 10:45 Uhr MEZ bei klarem Himmel eine deutliche Auswirkung auf die Stimmung der Umgebung erwarten: Es lassen sich eine fahle Beleuchtung und schärfere Schatten feststellen. Löcher in Baumblättern werfen dann lauter kleine Sicheln statt runder Sonnenbildchen auf den Boden, denn über Norddeutschland wird ein 80-prozentiger, im Alpenraum ein gut 65-prozentiger Verfinsterungsgrad erreicht. Damit ähnelt dieses Schattenspiel der eindrucksvollen partiellen Sonnenfinsternis vom 4. Januar 2011, aber die Sonne steht diesmal viel höher am Himmel, und auch das Klima ist jetzt, kurz vor Frühlingsanfang, günstiger. Die beigestellte Tabelle gibt für einige größere Städte die genauen Finsterniszeiten und Tiefen an.

Die totale Sonnenfinsternis vom 20. März 2015
© Fred Espenak / NASA / SuW-Grafik
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Der Verlauf der totalen Sonnenfinsternis vom 20. März 2015 über der Nordhalbkugel der Erde. Im deutschen Sprachraum beträgt der maximale Grad der Verfinsterung rund 80 Prozent.

Sonnensichel, zackiger Mondrand und Fleckenbedeckungen

Da die Sonne derzeit recht aktiv ist, hoffen wir auf mehrere Fleckengruppen, darunter vielleicht auch einige kräftige Flecken mit großer Penumbra. So darf mit mehreren Bedeckungen von großen Flecken durch den dunklen, bei genauerem Hinsehen etwas unregelmäßigen Mondrand gerechnet werden. Am besten beobachten Sie dies mit einem gut gegen Streulicht abgeschirmten Projektionsschirm oder einem Objektivsonnenfilter. Okularfilter sind dagegen sehr gefährlich und platzen bei längerer Beobachtung durch die anhaltende Erhitzung im konzentrierten Sonnenlicht.

Verlauf der Sonnenfinsternis vom 20. März 2015 in einigen mitteleuropäischen Städten.
© SuW
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Während eines dieser besonders spannenden Fleckeneintritte am Mondrand sollten Sie auch auf den feinen Unterschied zwischen den vermeintlich dunklen Flecken und dem wirklich pechschwarzen Mondrand achten. Die Penumbra ist natürlich gegenüber dem Mond vergleichsweise hell. Aber selbst der Fleckenkern ist ohne Streulicht betrachtet nicht so schwarz wie die Mondscheibe. Ansonsten dürfen Sie gerne einmal den Mondrand bei höherer Vergrößerung verfolgen und nach Bergspitzen absuchen, das heißt die Innenseite der vermeintlichen Sonnensichel. Lunare Erhebungen zeigen sich oft nur als Ecken im nicht ganz runden Mondprofil, ruhige Luft vorausgesetzt. So wird diese Sonnenfinsternis auch für den Besitzer eines kleinen Fernrohrs zu einem schönen und spannenden Beobachtungsereignis.

Schema einer totalen Sonnenfinsternis (Grafik)
© Sagredo / public domain
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 Bild vergrößernSchema einer totalen Sonnenfinsternis
Bei einer Sonnenfinsternis müssen Sonne, Mond und Erde exakt in einer Reihe stehen, damit der Schatten des Monds auf die Erde fallen kann. Sonnenfinsternisse finden nur bei Neumond statt. Die Zone der totalen Verfinsterung (schwarzer Punkt) ist immer recht schmal, dagegen kann der hier grau eingefärbte Halbschatten große Teile der Erde abdecken. In diesem Bereich ist dann eine partielle Sonnenfinsternis sichtbar, bei dem ein Teil der Sonnenscheibe vom Neumond verdeckt ist.