Statt Wissensinhalte stupide einzupauken, greifen Lernende heute gerne zu kreativeren Methoden – etwa den "Mindmaps", die den Lerninhalt mehr oder weniger aufwändig verbildlichen. Nach Ansicht der Psychologen Jeffrey Karpicke und Janell Blunt von der Purdue University in West Lafayette (US-Bundesstaat Indiana) könnte dies jedoch weniger effektiv sein als das einfache Abrufen von Informationen.

Die Forscher gaben 80 Studenten einen wissenschaftlichen Text zu lesen. Die eine Hälfte der Probanden sollte danach die Informationen aus dem Gedächtnis notieren; die anderen entwarfen dagegen eine Art Landkarte, in der die wichtigsten Inhalte miteinander verbunden werden sollten. Dann folgte der Test: Die Teilnehmer mussten sowohl die Hauptfakten aus dem Text wiedergeben, als auch eigenständig Schlussfolgerungen daraus ziehen und Verknüpfungen herstellen.

Überraschenderweise schnitten die Teilnehmer, welche die Informationen nach dem Lesen zunächst einfach Punkt für Punkt aufgeschrieben hatten, besser ab – sowohl bei der Wissensabfrage als auch in den weiterführenden Aufgaben. Sie behielten den Inhalt des Textes auch besser im Langzeitgedächtnis als die Kreativlerner, wie ein zweiter Test eine Woche später offenbarte.

Erklärung der Forscher: Beim Abruf von Informationen, wie ihn schon das bloße Niederschreiben erfordert, werde gespeichertes Wissen nicht bloß rekapituliert, sondern der Lernende gliedere den Stoff selbstständig in einer gewissen Ordnung, die das Lernen erleichtere. Demgegenüber konzentrierten sich Schüler, die sich zu Lernendes zeichnerisch vergegenwärtigen, hauptsächlich darauf, Fakten in ihre Mindmap einzubauen und liefen dabei Gefahr, das Wesentliche aus dem Blick zu verlieren. (bw)