Bei vielen Tiere gibt es keinen Ersatz für die Gemeinschaft: Plötzlich ohne sozialen Bezug und auf sich allein gestellt zu sein, sorgt bei Menschen, Mäusen und vielen anderen geselligen Wesen für erheblichen Stress und führt am Ende oft zum Tod. Und das gilt sogar für Insekten, berichten nun Forscher um Laurent Keller von der Université de Lausanne: Wenn Ameisenarbeiter von ihrer Gemeinschaft getrennt werden, sterben sie innerhalb kurzer Zeit an Erschöpfung – offenbar weil sie nichts anderes versuchen, als durch hektische Aktivität irgendwie in den Schoß der Gemeinschaft zurückzukehren.

Das Insektenkundlerteam beobachtete dies bei von ihnen absichtlich vereinsamten Vertretern der Mittelmeerart Camponotus fellah. Dabei testeten sie nicht nur unfreiwillige Einzelgänger, sondern auch ein Duo oder Gruppen von zehn Ameisen, die jeweils auch noch auf mehrere Larven aufzupassen hatten. Dabei zeigte sich, dass Ameisengrüppchen bis zu 66 Tage isoliert von ihrem Nest überlebten – die einzelnen Ameisen aber schon nach spätestens sechs Tagen starben. Ursache war dabei offenbar Erschöpfung: Die Einzelgänger begannen nach kurzer Zeit rastlos umherzulaufen, bis sie irgendwann zusammenbrachen.

Dabei nahmen die vereinsamten Tiere übrigens trotz hektischer Aktivität noch Nahrung zu sich – offenbar wurde diese aber nicht verdaut, berichtet das Forscherteam. Wie beim normalen Sammeln außerhalb des Ameisenbaus füllten diese Tiere nur ihren Transportkropf, nicht aber ihren Verdauungstrakt. In der Gemeinschaft bringen die Scouts die Nahrung im Kropf zunächst in die Nahrungsspeicher im Nest und bedienen sich erst anschließend. Vor allem den einsamen Ameisen war dies ebenso wenig möglich wie eine aus der Not geborene Verhaltensanpassung, die den größeren isolierten Gruppen zumindest teilweise zu gelingen schien.