Ein Team europäischer Astronomen, zu dem auch Lutz Wisotzki vom Astrophysikalischen Institut Potsdam gehört, hat erstmals einen Quasar entdeckt, der anscheinend nicht von einer Wirtsgalaxie umgeben ist. Für gewöhnlich handelt es sich bei den quasi-stellaren Objekten (Quasaren) um extrem massereiche Schwarze Löcher, die umgebende Materie aufsaugen, welche bei ihrem Sturz viel heller als das restliche Sternensystem aufleuchtet.

Die Quasare HE0450-2958 und HE1239-2426
© NASA / ESA / Frédéric Courbin, École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) & Pierre Magain, Université de Liege
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Die Wissenschaftler hatten mit dem Hubble-Weltraumteleskop und dem Very Large Telescope in Chile gleich 20 relativ naheliegende Quasare untersucht. Während 19 dieser Studienobjekte die erwarteten Charakteristika aufwiesen, waren um den fünf Milliarden Lichtjahre entfernten Quasar HE0450-2958 keinerlei Anzeichen für Sterne oder eine Galaxie zu finden. Dabei hätte die kombinierte Beobachtung selbst schwaches Leuchten registrieren müssen. HE0450-2958 steht demnach womöglich alleine im Raum – oder inmitten einer sehr kleinen Galaxie, die eventuell sogar aus dunkler Materie bestehen könnte.

Als nächste Nachbarn des Quasars im All machten die Astronomen eine kleine Gaswolke mit etwa 2500 Lichtjahren Durchmesser und eine zerrissen wirkende Galaxie aus. Sie vermuten, dass HE0450-2958 einst mitsamt seiner ursprünglichen Wirtsgalaxie mit dieser fremden Galaxie kollidiert sein könnte und dabei auf noch ungeklärte Weise sein Sternensystem verloren hat. Als Lieferant für Materie – und damit die Energie für das helle Leuchten – blieb ihm nur die kleine Gaswolke. Allerdings handelt es sich bei diesem und anderen Entstehungsszenarien aber noch um Spekulationen. Für eine fundierte Theorie, weshalb HE0450-2958 einsam am Himmel steht, sind weitere Daten und Simulationen nötig.