Die Nachrichten klangen sehr traurig: 160 000 Pinguine sollen in der Antarktis gestorben sein, weil ein gigantischer Eisberg ihnen den Weg zum Meer abschnitt. Das entpuppte sich bald als Fehlinterpretation einer Studie. Eine Brutkolonie ist zwar tatsächlich um diese Zahl geschrumpft, die Tiere waren aber nicht tot, sondern wanderten höchstwahrscheinlich nur ab und warteten auf bessere Zeiten. Und diese scheinen wieder anzubrechen, wie neue Satellitenaufnahmen aus der Antarktis vermuten lassen. Nachdem der verantwortliche Eisberg B09B seit Ende 2010 die ostantarktische Commonwealth Bay blockiert hatte, treibt er seit Februar 2016 erneut im offenen Meer und entfernt sich von der Küste. Der Aufbruch scheint auf mehrere miteinander zusammenhängende Ereignisse zurückzugehen. Vom ostantarktischen Eisschild blasen regelmäßig extreme Fallwinde, die Geschwindigkeiten von mehr als 150 Kilometern pro Stunde erreichen können. Sie brachen Teile des Meereises auf und sorgten womöglich zusammen mit kräftigen Wellen dafür, dass ein rund 250 Quadratkilometer großes Stück von B09B im Oktober 2015 abbrach. Zur gleichen Zeit prallte ein weiterer Eisberg namens C-15 gegen seinen riesigen Nachbarn und verpasste ihm einen weiteren Schubs.

Beides führte dazu, dass sich B09B um 45 Grad im Uhrzeigersinn drehte. Dies öffnete wiederum dem zwischen den Eisbergen und dem Festland liegenden Packeis einen Weg ins offene Meer, wohin es von den Fallwinden geblasen wurde. Und dieser Verlust führte schließlich dazu, dass B09B mobiler wurde und von den Strömungen und den Stürmen bewegt werden konnte. Da nun langsam der antarktische Winter beginnt, ist noch nicht absehbar, was diese Entwicklung für die Adeliepinguine bedeutet. Sie hatten ihren Brutplatz weitgehend aufgegeben, weil sie wegen des Packeises 60 Kilometer zwischen Nest und Meer zurücklegen mussten, um Nahrung für sich und die Küken zu fangen. Dadurch verhungerte der Nachwuchs. Ein Teil der erwachsenen Vögel wich auf benachbarte Kolonien aus, ein größerer Teil unternahm dagegen erst einmal keine neuen Aufzuchtversuche. Da die Pinguine ihren Nistplätzen jedoch normalerweise sehr treu sind, könnten in der nächsten Saison womöglich wieder mehr als 100 000 Tiere am angestammten Platz ihr Brutgeschäft aufnehmen.