Enceladus: Eisvulkane aktiv dank Gezeitenkraft

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Das Geysir-Becken des Enceladus
© NASA/JPL/Space Science Institute
(Ausschnitt)

Enceladus fällt unter den Monden im Sonnensystem auf: Fontänen aus Wasserdampf und Eispartikeln schießen immer wieder aus Spalten um seinen Südpol empor und reichern damit die Saturnatmosphäre und das Ringsystem an. Wann und warum diese kalten Vulkane aber aktiv werden, war bislang schwer nachzuweisen. US-Astronomen um Matthew Hedman von der Cornell University in Ithaca bestätigen nun eine populäre Hypothese: Offenbar bewirken Gezeitenkräfte durch den nahen Gasriesen, dass Enceladus sein Inneres preisgibt.

Das Geysir-Becken des Enceladus
© NASA/JPL/Space Science Institute
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Die Forscher verwendeten Aufnahmen der NASA-Raumsonde Cassini, die den rund 500 Kilometer großen Mond immer wieder ablichtet. Dabei waren erstmals 2005 deutlich hervortretende Fontänen entdeckt worden. Jetzt analysierten die Forscher 252 Bilder im Infrarotbereich, die insgesamt sieben Jahre abdecken. Darin entdeckten sie rhythmisch auftretende Leuchterscheinungen nahe des Südpols, die sie als Hinweis auf vermehrt auftretende Fontänen deuteten.

Das Leuchten schwoll dabei nur an bestimmten Punkten auf der exzentrisch gedehnten Bahn von Enceladus an: Am dunkelsten erschien die Oberfläche immer am saturnnächsten Punkt, während sie in größerem Abstand bis zu viermal so hell war. Somit dürfte die Schwerkraft des Saturns direkt auf die Eisvulkane von Enceladus wirken, der den Planeten in 1,4 Tagen einmal umkreist.

Geophysiker hatten bislang unterschiedliche Modelle diskutiert, nach denen die Eisvulkane auf Enceladus aktiv werden. Die Ergebnisse von Matthew Hedman bestätigen nun fünf Jahre alte Überlegungen von NASA-Wissenschaftlern, wonach die Gezeitenkräfte des Saturns sich auf etliche Spalten auswirken, die um den Südpol des Mondes die Landschaft dominieren. Diese Tigerstreifenregion besteht aus parallel verlaufenden Rissen, die relativ zur umgebenden Eisoberfläche wärmer erscheinen. Dem nun favorisierten Modell zufolge werden die Risse am saturnnächsten Punkt zusammengepresst, während sie weiter vom Gasriesen entfernt gedehnt und somit geöffnet werden.

Tigerstreifen-Region auf Enceladus
© NASA / ESA / JPL / SSI / Cassini Imaging Team
(Ausschnitt)
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Die Südpolregion von Enceladus unterscheidet sich vom Rest des Saturnmondes: Hier verlaufen parallel zueinander mehrere Spalten, aus denen regelmäßig Fontänen aus Wasserdampf und -eis hervortreten.
© Spektrum.de

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