Elefanten kommen mit erstaunlich wenig Schlaf aus: Insgesamt zwei Stunden pro Tag sind für sie vollkommen ausreichend. Dabei schlafen die Tiere nicht durchgängig, sondern verteilt auf vier bis fünf Schlafphasen, mit einer Hauptschlafphase von etwa einer Stunde. Das zeigte jetzt eine Forschergruppe um Paul Manger von der University of the Witwatersrand in Johannesburg.

Von Elefanten in Gefangenschaft war bereits bekannt, dass sie zwischen drei und sieben Stunden schlafend verbringen. Um herauszufinden, ob dies auch auf wild lebende Tiere zutrifft, beobachteten die Forscher zwei Leitkühe von Elefantenherden im Chobe-Nationalpark in Botswana während eines Zeitraums von 35 Tagen. Genauen Aufschluss über Schlaf- und Wachphasen sollte ein Bewegungsmesser geben, den sie den Tieren unter Narkose in den Rüssel implantierten. Zeigte dieser länger als fünf Minuten keine Regung an, gingen die Forscher davon aus, dass das Tier schlief.

Die Elefanten entpuppten sich nicht nur als ausgeprägte Kurzschläfer, sie machten auch mal ein, zwei Nächte durch. So blieben sie in manchen Fällen bis zu 46 Stunden am Stück wach, ohne dass sie dies in der folgenden Nacht zu kompensieren schienen. In diesen Wachphasen legten sie Strecken von etwa 30 Kilometern zurück, vermutlich auf der Flucht vor Löwen oder anderen Störenfrieden.

Während der Beobachtungszeit wechselten die Tiere außerdem täglich ihren Schlafplatz. Umweltfaktoren wie Luftfeuchtigkeit und Lufttemperatur beeinflussten, wann die Tiere sich zurückzogen. Im Gegensatz zu ihren Verwandten in Gefangenschaft bevorzugten sie eine stehende Schlafposition, nur etwa ein Drittel der Zeit verbrachten sie im Liegen. Die Forscher vermuten daher, dass Elefanten nur wenige REM-Phasen durchleben. REM-Schlaf geht mit einer starken Muskelentspannung einher und ist daher im Stehen vermutlich nicht oder nur sehr kurzzeitig möglich. REM-Schlafphasen spielen beim Menschen und anderen Säugetieren eine bedeutende Rolle für die Gedächtnisbildung. Offenbar scheint das Erinnerungsvermögen von Elefanten aber auch ohne sie recht gut zu funktionieren, schließlich sind Elefanten berühmt für ihr außergewöhnlich gutes Gedächtnis.

Dass ein negativer Zusammenhang zwischen der Körpergröße von Säugetieren und ihrem Schlafbedürfnis besteht, ist schon länger bekannt. Dieser Effekt ist bei Pflanzenfressern besonders ausgeprägt und hängt vermutlich damit zusammen, dass sie viel Zeit für die Nahrungsaufnahme aufwenden müssen. Die Elefanten als größte Landsäugetiere sind nun mit zwei Stunden neue Rekordhalter im Kurzschlaf, dicht gefolgt von Pferden mit etwa drei Stunden und Giraffen, die zwischen vier und fünf Stunden schlafen.

Inwieweit die Studienergebnisse auf andere Herden verallgemeinerbar sind, ist noch nicht klar. So wurden bisher keine männlichen Elefanten untersucht, und die beiden beobachteten Tiere waren möglicherweise auf Grund ihrer Funktion als Leitkuh besonders wachsam.