Personen, die von einer Elektroschockpistole getroffen werden, erleiden offenbar kurzzeitige Gedächtniseinbußen, wie Wissenschaftler von der Drexel University und der Arizona State University berichten. Die Waffen, die oft auch einfach als Taser bezeichnet werden, schießen in aller Regel Projektile in Richtung ihres Ziels ab, die mit Widerhaken versehen sind und über Drähte elektrische Impulse weiterleiten. Das ist für den Angeschossenen nicht nur schmerzhaft, sondern macht ihn auch handlungsunfähig. Vor allem in den USA gehören Elektroschockpistolen als nicht tödliche Waffen zur Standardausrüstung vieler Polizisten.

Um herauszufinden, was mit dem Gehirn passiert, wenn man sich einen solchen Stromschlag einfängt, rekrutierten die Forscher 142 Freiwillige. Der Hälfte der Probanden verpassten sie unter medizinisch kontrollierten Bedingungen einen Elektroschock per Taser, den anderen blieb die schmerzhafte Erfahrung erspart. Um sich ebenfalls in einen Zustand körperlicher Erregung zu versetzen, verbrachte ein Teil der Kontrollgruppe die Wartezeit damit, gegen einen Boxsack zu schlagen. Alle Teilnehmer wurden vor und nach dem Versuch einer ganzen Batterie an kognitiven Tests unterzogen, die ihr Denkvermögen abklopfen sollten. Dabei entdeckten die Forscher, dass vor allem die Fähigkeit der Teilnehmer, sich neue Dinge zu merken und später korrekt wiederzugeben, nach der Elektroschockbehandlung rapide abnahm. Ein Viertel der Testpersonen verschlechterte sich sogar von einem überdurchschnittlich guten Wert auf das Niveau eines durchschnittlichen 79-Jährigen mit leichten kognitiven Einbußen. Dieser Zustand hielt etwas weniger als eine Stunde an.

Die Wissenschaftler konnten keine Langzeitfolgen feststellen, doch möglicherweise haben die kurzfristigen Denkschwierigkeiten Folgen – etwa im Hinblick auf den Einsatz von Elektroschockwaffen im Polizeidienst. So werfen die Ergebnisse in den Augen der Forscher zumindest Zweifel daran auf, ob ein Verdächtiger, der mit Hilfe einer solchen Elektroschockwaffe gestellt wird, im Anschluss überhaupt seine Festnahme und die damit einhergehende typische Rechtsbelehrung richtig verstehen kann. Stattdessen sei es wahrscheinlicher, dass der Festgenommene kurz nach dem Taserangriff noch viel zu benommen ist, um von seinem Recht zu schweigen und einen Anwalt hinzuzuziehen Gebrauch zu machen. Auch im Rahmen einer direkten Befragung könnte es dann zu unvollständigen Aussagen und inhaltlichen Verstrickungen kommen.

Die Wissenschaftler empfehlen daher, in solchen Situationen lieber mindestens 60 Minuten mit Verhör und Rechtsbelehrung zu warten. Sie geben außerdem zu bedenken: Alle ihre Versuchsteilnehmer waren jung, intelligent und gesund und standen weder unter dem Einfluss von Alkohol noch von Drogen. Man könne also durchaus davon ausgehen, dass viele der Menschen, die typischerweise in einen Konflikt mit der Polizei geraten, mit stärkeren Auswirkungen zu kämpfen haben.