Etwa vier bis sieben Prozent der Menschen leiden irgendwann im Lauf ihres Lebens an einer krankhaften Störung der Impulskontrolle (intermittent explosive disorder, IED) und neigen dann zu heftigen Wutausbrüchen. Was diese klinisch anerkannte Störung auslöst, ist noch unklar, doch zeigt eine Studie, dass ein berühmt-berüchtigter Katzenparasit eine Rolle spielen könnte. Betroffene waren laut einer Studie von Emil Coccaro von der University of Chicago doppelt so oft einer Infektion mit Toxoplasma gondii ausgesetzt als Menschen, bei denen diese Art des Jähzorns noch nie auftrat. Für ihre Untersuchung hatten Coccaro und sein Team 358 Probanden in drei Gruppen eingeteilt: IED-Betroffene, Menschen mit einer anderen psychischen Erkrankung sowie Gesunde, bei denen bis dahin keine Störung nachgewiesen worden ist. Bei allen wurde dann das Blut auf Spuren des Erregers untersucht, den wir über unzureichend erhitztes Fleisch, kontaminiertes Wasser oder über Katzenkot aufnehmen können – etwa 30 Prozent der Bevölkerung sollen damit infiziert sein.

Da Toxoplasma gondii erwiesenermaßen bei Mäusen und anderen potenziellen Beutetieren von Katzen Verhaltensänderungen auslöst, steht der Parasit auch im Verdacht, beim Menschen psychische Veränderungen hervorzurufen. Neurologen vermuten beispielsweise einen Zusammenhang mit Depression, Schizophrenie oder krankhafter Unruhe. Tatsächlich wiesen die Forscher in der IED-Kohorte bei 22 Prozent der Teilnehmer Toxoplasma nach, aber nur bei neun Prozent der gesunden Vergleichsgruppe (im dritten Teil betrug der Anteil 16 Prozent). Zudem erbrachte ein psychiatrischer Test, dass die infizierten IED-Patienten nochmals höhere Aggressions- und Wutwerte aufwiesen als ihre toxoplasma-freien IED-Mitmenschen. Einen kausalen Zusammenhang wollen Coccaro und Co damit jedoch noch nicht herstellen, zumal eine andere Studie erst kürzlich angedeutet hat, dass sich der Katzenparasit bei Menschen kaum auf das Verhalten auswirkt. Verschiedene Faktoren könnten deshalb eine Rolle spielen, warum IED-Betroffene häufiger positiv auf Toxoplasmose getestet werden: Der Erreger könnte das Hirn direkt beeinflussen oder eine Entzündung und damit die Verhaltensänderung auslösen. Vielleicht essen aber auch zu Jähzorn neigende Menschen lieber blutige Fleischwaren oder halten überdurchschnittlich oft Katzen, so dass eine umgekehrte Relation möglich wäre. Die Studie zeige daher vor allem eines, so Coccaro: "Wir müssen Toxoplasmose und ihre Folgen noch intensiver untersuchen."