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Vorurteile: Erlernte Schubladen

Die Ausdrucksweise der Eltern erzieht Kinder zum stereotypen Denken.
Zarpie

"Dieses Mädchen hat lange Haare." Oder: "Ein Mädchen hat lange Haare" – Wo liegt der Unterschied? Klar, während sich der erste Satz auf ein bestimmtes Kind bezieht, könnte der zweite Satz alle Mädchen dieser Welt beschreiben. Nutzen die Eltern gegenüber ihrem Nachwuchs sehr häufig solche so genannten generischen Ausdrücke, kann sich eine neue Schublade im kindlichen Denken öffnen – und das fördert die Stereotype.

Dieser Zarpie ... | "... mag kein Eis."

Im Experiment der Forschergruppe um Marjorie Rhodes von der New York University spielten besondere Fantasiewesen namens "Zarpies" die Hauptrolle. Vierjährige Probanden sahen sich gemeinsam mit einem Versuchsleiter ein Bilderbuch an, in dem 16 verschiedene Zarpies auftraten. So mochte ein asiatisch aussehendes Zarpie-Mädchen kein Eis, ein anderes dunkelhäutiges mit gestreiften Haaren schlief am liebsten in hohen Bäumen. Über jedem Bild schilderte ein Satz das Geschehen. Diese unterschieden sich nach drei Bedingungen: eine generische, verallgemeinernde Erklärung ("Zarpies mögen kein Eis"), eine spezifische ("Dieser Zarpie mag kein Eis") und eine unbestimmte ("Der hier mag kein Eis").

Einige Tage später sollten die Kleinen die Bilder selbst beschreiben. Tatsächlich nutzten Kinder, die verallgemeinerte Aussagen über die Zarpies gehört hatten, häufiger stereotype Beschreibungen als Altersgenossen in den anderen beiden Bedingungen.

Ein Zarpie ... | "... isst gerne Blumen."

Nun testeten Rhodes und ihre Kollegen die Eltern. Zunächst wurden auch sie mit den Eigenarten der Zarpies bekannt gemacht. Dabei betonte der Text entweder die Unterschiede zum Menschen oder umgekehrt die großen Gemeinsamkeiten. Die Erwachsenen erhielten dann dasselbe Bilderbuch wie zuvor ihre Kinder – allerdings ohne die erklärenden Zeilen über den Illustrationen.

Im anschließenden Gespräch mit den Sprösslingen nutzten die Eltern, die vor allem auf die Gegensätze zwischen Mensch und Zarpie hingewiesen worden waren, besonders häufig generische Ausrücke – und ließen außerdem öfter abfällige Kommentare fallen. Sprechen Eltern stets verallgemeinernd über Mädchen und Jungen, junge und alte Menschen oder unterschiedliche Kulturen, können nach Ansicht der Forscher bei den Kindern Stereotype und Vorurteile entstehen.

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