In den vergangenen sechs Monaten hat sich das Erdmagnetfeld unerwartet abgeschwächt, ergaben jetzt die Messungen eines Satellitenverbunds der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA. Die Daten der drei Swarm-Satelliten wurden im Juni auf dem 3rd Swarm Science Meeting in Kopenhagen vorgestellt.

Veränderungen des Erdmagnetfelds
© ESA / DTU Space
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In einem ausführlichen Beitrag bei "Scientific American" heißt es, über die Ursachen der Abschwächung herrsche noch Unklarheit und den Wissenschaftlern. Ein wahrscheinlicher Grund sei laut dem Missionsmanager Rune Floberghagen, dass die magnetischen Pole der Erde vor einer Umkehr stehen. Der magnetische Nordpol bewege sich bereits auf Sibirien zu.

Dass sich die Pole der Erde umkehren werden – wie bereits oft in der Vergangenheit geschehen –, ist keine Frage. Der zeitliche Rahmen ist allerdings weit gehend offen. Die zehnmal höhere Abschwächungsrate, die Swarm jetzt offenbarte, deute darauf hin, dass der Prozess viel schneller abläuft als gedacht. Bislang habe man die komplette Umkehr erst in 2000 Jahren erwartet. Doch möglicherweise ist früher damit zu rechnen.

Trotzdem erfolge die Umpolung "nicht schlagartig, sondern dauert Hunderte, wenn nicht gar Tausende von Jahren", so Floberghagen. Welche Konsequenzen dabei für Mensch und Natur zu befürchten sind, ist offen. Zur Katastrophe muss es allerdings nicht kommen: Untersuchungen haben gezeigt, dass die Umpolungen in der Vergangenheit nicht zu Massenaussterben geführt haben. Eine entscheidende Frage dürfte dabei sein, wie gut das Erdmagnetfeld während der Umkehrphase seine Funktion als Schutzschild gegen Strahlung aus dem All aufrechterhalten kann.