Wenn im September 2010 die US-Raumfähren tatsächlich ihren Betrieb einstellen, ist die NASA für die nächsten Jahre auf Mitfluggelegenheiten in den russischen Sojus-Raumkapseln angewiesen. Das offizielle Erstflugdatum für die in der Entwicklung befindlichen Orion-Raumkapseln ist März 2015, aber die NASA-Manager hofften, durch zusätzliche finanzielle Mittel die Lücke zwischen Raumfähren und Orion auf drei Jahre verkürzen zu können, um die Abhängigkeit von russischem Wohlwollen zu reduzieren.

Nachdem nun die detailliertere Planung begonnen hat, wurde offensichtlich, dass das intern gesteckte Ziel, der Erstflug im September 2013, auch mit zusätzlichen Finanzmitteln nicht zu erreichen ist. Allerdings waren sie auch nicht in Sicht. Zu viele technische Detailfragen müssen noch geklärt und die Startanlagen in Florida umgebaut werden. Zudem ist nicht ungewiss, welche Aspekte im November 2008 neu gewählte US-Präsident in der Raumfahrt setzen wird.

Das jetzige interne Startdatum, September 2014, wäre immer noch ein halbes Jahr früher, als in den Verträgen mit der Raumfahrtindustrie vorgesehen ist. Im Frühjahr nächsten Jahres soll erstmals die erste Stufe der neuen Trägerrakete Ares-1, ein umgebauter Feststoffbooster der US-Raumfähren, mit Oberstufe und Raumschiff als Attrappen von Florida abheben. Auch eine Erprobung der Rettungsrakete unter Flugbedingungen ist geplant. Sie reißt im Ernstfall die Orion-Raumkapsel von der außer Kontrolle geratenen Rakete weg und bringt so die Mannschaft in Sicherheit.

Sorgen macht den Fachleuten die Neigung der fast 100 Meter langen Ares-1-Rakete, in der Längsrichtung zu schwingen. Dieses nach einem Kinderspielzeug genannte "Pogo-Verhalten" könnte, wenn es zu stark wird, die Nutzlast und damit die Astronauten durch extreme Vibrationen in Gefahr bringen. Es bestünde sogar die Gefahr, dass die Raumkapsel zerbrechen könnte. Daher bemühen sich die NASA-Ingenieure darum, die Schwingungen durch konstruktive Änderungen an der ersten Raketenstufe und den Einbau aktiver Systeme zu unterdrücken. Durch Pogo-Schwingungen gingen vor allem in der Frühzeit der Raumfahrt etliche Trägerraketen verloren.

Verzögerungen sind in der bemannten Raumfahrt ganz gang und gäbe, geht es doch hier um die Gesundheit von Menschen. Es wäre erstaunlich, wenn die NASA den eng gesteckten Zeitrahmen ohne Probleme einhalten könnte. Lieber etwas später ins All fliegen, als unnötige Risiken eingehen. Derzeit wird intern bei der NASA diskutiert, ob nach 2010 zumindest eine Raumfähre in Betrieb bleibt und ein bis zwei Flüge zur Internationalen Raumstation ISS durchführt, um die Station zu versorgen und die Mannschaften auszutauschen. Diese Flüge würden dann erst mit der Indienststellung der Orion-Raumkapseln eingestellt werden.

TA