Im Fusionsreaktor Wendelstein 7-X haben Forscher heute erfolgreich das erste Heliumplasma erzeugt. Es dauerte eine Zehntelsekunde an und erreichte eine Temperatur von etwa einer Million Grad, wie das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik berichtet. Als Nächstes wollen die Forscher die Dauer der Entladungen verlängern und weitere Untersuchungen anstellen. Im Januar 2016 soll dann schließlich das erste Wasserstoffplasma folgen. Hier lässt sich der Plasmazustand allerdings schwerer erreichen.

Am Wendelstein 7-X soll ausschließlich Fusionsforschung betrieben werden, die aber auf lange Sicht der umweltfreundlichen Energiegewinnung per Kernfusion den Weg ebnen könnte. Die Energieerzeugung erfolgt dabei wie in der Sonne durch die Verschmelzung von Atomkernen. Eine solche Kernfusion ist im Wendelstein 7-X allerdings zunächst nicht vorgesehen, vielmehr will man sich auf die Untersuchung des Plasmas konzentrieren. Da die Fusion enorm hohe Temperaturen erfordert, muss das Plasma durch Magneten im Schwebezustand gehalten werden und darf die kalten Ränder seines Gefäßes nicht berühren. Im Wendelstein 7-X wird dieses Magnetfeld vollständig durch externe Spulen erzeugt, die im Prinzip einen kontinuierlichen Betrieb ermöglichen. Der Reaktor gehört damit zum so genannten Stellaratortyp – im Gegensatz zum internationalen Testreaktor ITER, der ein so genannter Tokamak ist und nur in einzelnen Pulsen arbeiten kann. Die Experimente am Wendelstein 7-X sollen unter anderem zeigen, ob das Konzept überhaupt für einen Fusionsreaktor taugt.