Wildtierökologen und Naturschützer hatten es schon seit längerer Zeit erwartet – jetzt bestätigten Bilder einer Kamerafalle: Wölfe haben erstmals seit rund 150 Jahren wieder erfolgreich Nachwuchs in Bayern gezeugt. Damit leben in einem weiteren Bundesland nachweislich Wölfe. Neben dem Verbreitungsschwerpunkt Sachsen und Brandenburg gibt es unter anderem in Niedersachsen Rudel mit Jungtieren. Wie das Bayerische Landesamt für Umwelt in einer Pressemitteilung erklärte, hatte bereits im Juli 2017 eine Fotofalle im Bayerischen Wald ausgelöst, als die Tiere die Kamera passierten. Damit bestätigt sich der Trend, dass auch der waldreiche Freistaat wieder zum Wolfslebensraum werden kann, wenn man die Tiere lässt. Denn in den letzten Jahren hatten sich entsprechende Sichtungen gemehrt; ein weiteres Paar soll auf dem riesigen Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der nördlichen Oberpfalz umherstreifen.

Aus Tschechien, Österreich und den nordöstlichen Bundesländern zogen zudem immer wieder Einzeltiere nach Bayern, doch verlor sich oft ihre Spur: Sie wurden gewildert oder starben im Straßenverkehr – oder nutzten das Gebiet nur als Korridor. Naturschützer begrüßen die Rückkehr und erfolgreiche Vermehrung der Tiere, doch mahnen sie, dass Viehzüchter vor Ort nicht damit allein gelassen werden dürfen. Der Freistaat müsse beispielsweise Herdenschutzmaßnahmen finanziell fördern, so der Landesbeauftragte des Bund Naturschutzes Richard Mergner. Ansonsten drohen Konflikte, wenn die Tiere tatsächlich Schafe oder Fohlen reißen. Als Gegenmaßnahmen empfehlen Fachleute, Tiere nachts im Stall zu halten oder Weiden mit Elektrozäunen von mindestens 90 Zentimeter Höhe einzugrenzen. Extra ausgebildete Herdenschutzhunde halten Wölfe ebenfalls effizient fern.

Eine Gefahr für die Wölfe sind wiederum illegale Abschüsse – Teile des Bayerischen Waldes gelten als eine Art Bermuda-Dreieck des Artenschutzes. In den letzten Jahren "verschwanden" dort im Gebiet zwischen Lusen und Arber immer wieder Luchse; später legte ein bislang nicht identifizierter Täter die abgeschnittenen Vorderläufe von zwei Tieren bewusst in der Nähe einer Kamerafalle ab. Ein Verdächtiger wurde zwar ermittelt, doch kam es bislang noch zu keiner Gerichtsverhandlung. Im Nationalpark "Bayerischer Wald" werden die Schutzvorkehrungen jedoch wohl nicht erhöht, so der stellvertretende Leiter Jörg Müller gegenüber der "Welt". Zum Luchs-Monitoring unterhalte der Park ein dichtes Netz an Fotofallen, die nun natürlich auch Wölfe festhalten.