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Künstliche Kreativität: Es gibt Reis!

Katharina Müller

Wenn ich kreativ koche, sieht das folgendermaßen aus: Ich werfe einen Blick auf das Sortiment meiner Speisekammer und greife dann anstatt zu Penne und grünem Pesto nach 100 Gramm Reis, zwei Tomaten, einem halben Bund Karotten, einem Glas Rote Beete und einem Korb voller Champignons. Abenteuerlustig mische ich diese Ingredienzen dann zusammen und hoffe, dass das Endergebnis nicht nur neuartig, sondern auch schmackhaft sein wird.

Je mehr Auswahl, desto schwerer fällt also erfolgreiche Kreativität. Auch für Computer: Zwar würden die um einiges schneller eine viel größere Anzahl an Ingredienzen miteinander kombinieren – ob die dann zusammen aber Gaumenfreude bereiten? Der blecherne Koch ist da im Nachteil: Sein fehlender Geschmackssinn verwehrt ihm, das kulinarische Meisterwerk jemals zu schmecken.

Lav Varshney und seine Kollegen des IBM Thomas J. Watson Research Center haben nun trotzdem geschafft, aus einer Menge von Nullen und Einsen einen Jamie Oliver zu machen. Ihr Computerprogramm kann neue, vor allem aber schmackhafte Rezepte kreieren. Dazu füttern die Wissenschaftler das Programm mit großen Datenmengen, angefangen von bereits existierenden Rezepten, über Details regionaler Küchen, bis hin zu Informationen über die chemischen Bestandteile einzelner Zutaten und darüber, wie schmackhaft diese allgemein bewertet werden. Mit Hilfe dieser Datenmassen und allerhand statistischem Werkzeug bewertete der digitale Koch trotz fehlender Geschmacksknospen recht zutreffend, wie neuartig und schmackhaft seine errechneten Kreationen sind. Echte Köche bewerten die Ideen der Rezeptmaschine immerhin als "vielversprechend".

Wenn Kreativität bedeutet, bereits bestehende Komponenten neu zu kombinieren, dann fehlt der Maschine nur noch eine weiße Kochmütze und ein französischer Akzent und IBM ist dem Ziel ein wenig näher gekommen, Maschinen menschenähnlicher zu machen.

Helge Schneider – Es gibt Reis!

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