Europas Eschen sterben, und in den letzten Jahren hat sich ihr Niedergang sogar noch ausgeweitet. Auch Deutschland ist davon betroffen, Dänemark hat bereits 90 Prozent seiner Eschen verloren. Schuld daran ist ein aus Ostasien eingeschleppter Pilz, das Falsche Weiße Stängelbecherchen (Hymenoscyphus pseudoalbidus). Er befällt über die Blätter die Triebe und greift von dort auf den Stamm über. Am Ende bringen Nekrosen den Baum zum Absterben.

Wie Jeroen Dickschat von der Technischen Universität Braunschweig und seine Kollegen nun zeigen, setzt der Pilz ein flüchtiges Stoffwechselprodukt frei: das Lacton 3,4-Dimethylpentan-4-olid. Im Labor unterdrückte dieser Stoff die Keimung der Eschensamen und löste die Nekrosen aus – die Art kann also auch keinen Nachwuchs mehr aus ihren Samen rekrutieren. Warum das Lacton in europäischen Eschen so verheerende Schäden anrichtet, nicht aber in der verwandten japanischen Art, können die Forscher noch nicht sagen. Vielleicht halten pflanzeneigene Stoffwechselprodukte bei den resistenten asiatischen Vertretern das Gift in Schach; schließlich konnten sich Esche und Pilz im Lauf der Evolution aufeinander einspielen, während die einheimischen Eschen noch keine Abwehrmechanismen entwickelten. Möglich wäre auch, dass Mikroorganismen auf und in den europäischen Bäumen die Wirkung des Lactons verstärken oder ihm Einfallstore öffnen.

Allerdings leben in Europa ebenfalls von Natur aus resistente Eschen in kleiner Zahl. Nun soll untersucht werden, warum ihnen das Lacton nichts anhaben kann. Denn vielleicht liefern sie einen Anhaltspunkt, wie man auch die restlichen europäischen Eschen vor dem Massensterben bewahren kann.