Nur drei Jahre nachdem die Europäische Kommission den Posten des wissenschaftlichen Chefberaters besetzt hat, schafft sie diese Position wieder ab: Die Zellbiologin Anne Glover verliert damit ihre Stelle, die turnusmäßig mit der letzten Amtsperiode der Kommission zu Ende ging, nun aber im Gegensatz zu den anderen Kommissariaten nicht neu besetzt wird. Damit verzichtet der neue Präsident Jean-Claude Juncker auf ein Amt, das sein Vorgänger 2009 versprochen und 2011 Anne Glover angetragen hatte. Völlig unklar ist dagegen, auf welche Mechanismen Juncker zukünftig setzen möchte, um sich über aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen zu informieren. "Präsident Juncker glaubt an unabhängige wissenschaftliche Beratung, doch hat er sich noch nicht entschieden, wie er diese institutionalisieren möchte", erklärte Lucia Caudet, die Sprecherin der Kommission.

Verschiedene Umweltbewegungen wie Greenpeace hatten Juncker zuvor in einem offenen Brief aufgefordert, den Posten abzuschaffen: Glover war ihnen zu gentechnikfreundlich – eine Meinung, der sich unter anderem auch Frankreich anschloss. Führende Vertreter von Wissenschaftsorganisationen zeigten sich dagegen entsetzt. Damit werde die Wissenschaftspolitik in Europa nachhaltig geschwächt, so der Tenor. Das Amt hätte stattdessen gestärkt werden müssen.