Zunächst wurden sie nur auf Fußspuren aufmerksam, dann schlug ihre Kamerafalle zu: Im Alatash-Nationalpark im Nordwesten Äthiopiens haben Forscher eine neue Löwenpopulation entdeckt. Bislang galt das extrem abgelegene Gebiet offiziell nur als "mögliches" Löwenterritorium, nun ist die Anwesenheit von Panthera leo eindeutig belegt. Einige Dutzend Tiere sollen sich den Schätzungen der Zoologen zufolge in der Gegend aufhalten.

"In meiner Berufslaufbahn habe ich die Verbreitungskarte der Löwen immer wieder revidieren müssen", erklärt der Leiter der Expedition Hans Bauer von der Wildlife Conservation Research Unit der University of Oxford gegenüber dem "New Scientist". "Ich habe eine Population nach der anderen herausgenommen. Nun habe ich zum ersten und vermutlich letzten Mal eine neue hinzugefügt."

Die Suche nach den Löwen, die den Forschern auch aus Berichten Ortsansässiger bekannt waren, wurde von der Born Free Foundation unterstützt, einer gemeinnützigen Stiftung zum Schutz von Wildtieren. Auch der angrenzende Dinder-Nationalpark im Sudan beherbergt einige Löwenrudel. Insgesamt beläuft sich die Zahl der Tiere auf etwa 100 bis 200 Individuen. Die Wissenschaftler hoffen, dass die Entdeckung weiteren Anreiz schafft, die Schutzbemühungen im neu geschaffenen Alatash-Park auszubauen. Die äthiopische Regierung sei diesbezüglich ein wertvoller Verbündeter, erklärt die Stiftung. Die Bestände der Löwen sind in Afrika auf nur mehr kümmerliche Reste zusammengeschrumpft, der "König der Tiere" lebt nur noch in isolierten Regionen, die Gesamtzahl der Tiere liegt unter 20 000 Exemplaren.