Biokraftstoffe sind in der Kritik: Ethanol gewinnt man heute zwar aus nachwachsenden Rohstoffen, aber leider nur aus den besten und teuersten – aus den energiereichen Kolben von Mais zum Beispiel. So nehmen Autos Menschen das Essen vom Teller und schüren Unfrieden, wie im Jahr 2007 bei den Tortilla Riots um hohe Maispreise in Mexiko. Nun allerdings will ein Industriekonsortium ein lange herbeigesehntes Verfahren in die Praxis umsetzen, mit dem man Abfälle in hochwertige Chemikalien verwandelt. In den Niederlanden soll im Hafen von Rotterdam eine kommerzielle Anlage entstehen, die aus städtischen Abfällen so genanntes Synthesegas herstellt, ein Gemisch aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid, und es mit Hilfe von Katalysatoren zu Methanol weiterverarbeitet. Methanol eignet sich entweder selbst als Biotreibstoff, wird zu Ethanol umgesetzt oder als Grundstoff in der chemischen Industrie verwendet. Die beteiligten Unternehmen haben angekündigt, schon 2017 mit dem Bau der Anlage zu beginnen.

Bereits 2015 hatte das Unternehmen in Edmonton (Kanada) eine Anlage in Betrieb genommen, die nach Angaben des Betreibers bis zu 400 000 Tonnen städtischen Abfall in Methanol umwandelt. Pro Tonne Abfall entstehen dabei etwa 350 Liter Methanol. Das von dem kanadischen Unternehmen Enerkem entwickelte Verfahren nutzt jene Teile des Hausmülls, die sonst auf Deponien eingelagert werden: den nicht wiederverwertbaren Rest des kommunalen Abfalls, der nach Abtrennung von Recycling-Stoffen wie Glas, Metall und Kunststoff übrig bleibt.

Dieser Anteil wird bei hohen Temperaturen in ein Gasgemisch umgewandelt, das wiederum mit Dampf zum Synthesegas umgesetzt wird, welches hauptsächlich aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid besteht. Nach der Reinigung setzt man das Gas mit katalytischen Verfahren zum Endprodukt um. Das Syngas-Verfahren ist nur eines der derzeit entwickelten Verfahren für die Verwertung dieser Abfallfraktion – andere Unternehmen forschen zum Beispiel an biotechnischen Verfahren, den Müll zu Ethanol zu vergären. Bisher allerdings hat sich noch keines dieser Verfahren im großtechnischen Maßstab als rentabel erwiesen.