Für Nichtraucher ist es wirklich schwer zu verstehen: Welche Seligkeit bringt diese weiße, tabakgefüllte Röhre, zu der sich Raucher mehrmals täglich versammeln – glücklicherweise inzwischen vor der Tür? Sie beruhigt, sie bremst den Hunger – und sie stinkt, lässt die Haut altern, macht Lungenkrebs, schädigt Ungeborene und vieles mehr. Angesichts der bekannten negativen Folgen, die bei anderen Produkten längst dazu geführt hätten, dass sie im Regal vergammeln, bleibt die Sucht nach dem Glimmstängel ein Rätsel.

Um dieses Rätsel zu lösen, lohnt sich ein tiefer Blick ins Gehirn: Funktionieren Raucher irgendwie anders? Fehlt ihnen die negative Rückopplung schlechter Erfahrungen und Ausblicke, die unser Verhalten beeinflussen? Oder hören sie einfach nicht darauf?

Forscher um Read Montague vom Baylor-College für Medizin im texanischen Houston näherten sich diesen Fragen von der spielerischen Seite. Sie baten 31 chronische Raucher zum virtuellen Börsenmarkt auf der Grundlage historischer Aktienkurse. An einem Tag sollten die Probanden ganz normal rauchen, an einem zweiten Tag darauf verzichten. Während die Teilnehmer ihre Investitionsentscheidungen trafen, verfolgten die Forscher die Hirnaktivität mit einem funktionellen Magnetresonanztomografen (fMRI). Die Ergebnisse verglichen sie mit einer Stichprobe von Nichtrauchern einer früheren Untersuchung.

Hatten die Freiwilligen jeweils ihre Finanzentscheidung getroffen, bekamen sie die damalige Entwicklung zu sehen und konnten so abschätzen, ob sie mehr hätten ergattern oder den Verlust minimieren können. Tatsächlich zeigten alle – Nikotin-Gesättigte, Nikotin-Lechzende und Nichtraucher – eine stabile neuronale Antwort nach einer solchen "Fehlentscheidung". Bei den Nichtrauchern hatten die Misserfolge auch den eigentlich erwarteten Effekt: Sie machten daran fest, ob sie im nächsten Durchgang entweder mehr setzten – wenn der Gewinn geringer ausfiel als möglich – oder weniger, wenn der Verlust höher war als nötig.

Nicht so bei den Rauchern: Bei ihnen verhallte die Warnung im Nichts. Für ihre nächsten Entscheidungen ignorierten sie völlig, zu welchem Ergebnis eine andere Wahl zuvor geführt hätte. Ebenso missachteten sie, wie viel sie tatsächlich eingestrichen hatten: Sie verstanden ihren Gewinn, in welcher Höhe er auch immer ausgefallen war, offenbar nicht im klassischen Sinne als Belohnung wie ihre nichtrauchenden Kollegen.

Steckt dahinter eine Erklärung für Suchtanfälligkeit oder ständigen Drogenmissbrauch? Einen direkten Zusammenhang hatten die Forscher nicht getestet, aber ein Blick in die Fachliteratur unterstreicht ihre Ergebnisse: Raucher wählen normalerweise lieber direkt verfügbare Belohnungen, auch wenn sie kleiner ausfallen als eine spätere Alternative, stellten Wissenschaftler sowohl mit realen als auch fiktiven solchen fest.

Vielleicht zeuge die beobachtete mangelnde Berücksichtigung hirneigener Signale daher von einer grundlegenden Störung in der Verarbeitung von Gelerntem, das auf fiktiven Ergebnissen beruht. Womöglich seien hier bestimmte übergeordnete Kontrollsignale beeinträchtigt, spekulieren die Forscher. Eine Entschuldigung für anhaltendes Qualmen geben sie damit aber nicht.