Der Fingerreader im Einsatz
© Pattie Maes, Massachusetts Institute of Technology (MIT)
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Ein neu entwickelter Scanner mit Texterkennung und Lautsprecher könnte das Leben von Menschen mit Sehbehinderung vielleicht schon bald revolutionieren. Das Gerät erkennt in Echtzeit geschriebenen Text und wandelt diesen in gesprochenes Wort um – und das Beste daran: Die gesamte nötige Technik passt zum gegenwärtigen Stand in einen kleinen Rucksack und zukünftig vielleicht sogar in die Hosentasche. Entwickelt haben den so genannten FingerReader Pattie Maes und Kollegen am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, die ihn letzte Woche der Öffentlichkeit vorstellten. Der Prototyp besitzt eine kleine Kamera und wird mit einem Ring am Zeigefinger getragen. Eine spezielle Software verfolgt die Fingerbewegung, identifiziert die gefilmten Worte und verarbeitet diese Informationen, die dann in einem Computer in Gesprochenes umgewandelt werden. Schweift der Finger von der Zeile ab, warnen kleine Vibrationsmotoren den Leser, dass er die Ideallinie verlässt. Zudem informieren sie, wo eine Zeile beginnt und endet.

Der FingerReader solle die Brailleschrift für Blinde nicht ablösen, sondern ergänzen, so Maes, denn ein Großteil der Literatur werde nicht in diese Punktmuster überführt, die Menschen mit starker Sehschwäche erfühlen können. Zudem erleichtert das Gerät den Alltag, etwa im Restaurant, bei Ärzten oder in Bibliotheken, wo Brailleschriften auf Speisekarten oder Formularen nicht standardmäßig vorhanden sind. Auf Touchscreens funktioniert der Reader allerdings noch nicht, weil mit der Fingerbewegung auch der Text verschoben wird, was unverständliche Signale produziert. Dieses Problem wollen die Forscher vor der Markteinführung noch beheben. Zudem soll der Fingerscanner zusammen mit normalen Smartphones funktionieren, so dass nicht eigens ein Notebook mit herumgetragen werden muss.