Seit einiger Zeit machen starke Cannabisvarianten zunehmend die Runde: Diese wegen des intensiven Geruchs als Skunk bezeichneten Sorten haben einen deutlich höheren Gehalt am berauschenden Tetrahydrocannabinol (THC zwischen 12 und 19 Prozent) als herkömmliche Varianten. Nun deutet sich in einer weiteren Studie an, dass der regelmäßige Konsum dieser Droge das Risiko für Psychosen deutlich erhöht: "Verglichen mit Menschen, die nie Cannabis zu sich nahmen, erkrankten Skunk-Nutzer dreimal häufiger an Psychosen", so Marta di Forti vom King's College London, deren Studie jüngst in "Lancet" publiziert wurde. Und wer sogar täglich zum Skunk-Joint greife, müsse sogar mit dem fünffachen Risiko leben.

Die Forscher hatten 410 Patienten nach ihren Konsumgewohnheiten befragt, die zwischen 2005 und 2011 an einer Psychose wie Schizophrenie oder bipolarer Störung gelitten hatten. Ihre Daten wurden dann mit 370 gesunden Menschen aus der gleichen Region im Süden Londons abgeglichen. Alter, Geschlecht und Alkoholgenuss wurden wie einige weitere Faktoren berücksichtigt. In beiden Gruppen hatten mehr als 60 Prozent mindestens schon einmal zum Joint gegriffen, wobei der Anteil bei den Patienten etwas höher lag. Diese nutzten zudem häufiger und regelmäßiger Cannabis und griffen dabei meist zu stärkeren Sorten. Die Ergebnisse waren bemerkenswert: Wer das relativ milde Haschisch konsumierte, musste auch bei täglichem Rauchen nicht mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Psychosen rechnen. Dagegen reichte bei Skunk schon der gelegentliche Griff zum Joint, um das Risiko zu erhöhen. Viele der Patienten hatten zudem bereits schon in jüngeren Jahren zur Droge gegriffen als die gesunde Kontrollgruppe. Ließe sich der Zusammenhang tatsächlich bestätigen, ginge ein knappes Viertel aller Psychosen in Südlondon auf den Drogengebrauch zurück, so die Forscher.

Einen ursächlichen biochemischen Zusammenhang konnte die Studie allerdings nicht aufdecken. Doch das Ergebnis passt zu anderen Studien, etwa dass Marihuanaextrakte in Experimenten mit Freiwilligen paranoide Gedanken auslösten. Ungeklärt bleibt zudem, ob Menschen eher zu Cannabis greifen, wenn sie die Veranlagung für eine psychische Störung aufweisen. Ursache und Wirkung wären dann schlicht vertauscht.