Menschen, die an einer Psychose leiden, greifen mit einer dreimal höheren Wahrscheinlichkeit regelmäßig zu Zigaretten als psychisch Gesunde. Doch bislang fragten sich Mediziner, was die Ursache ist: Fördert die Psychose den Hang zum Nikotin – oder löst der häufige Griff zum Glimmstängel diese erst aus? Erste Hinweise liefert nun eine große Metastudie von Pedro Gurillo vom Krankenhaus in Torrevieja im spanischen Alicante und seinem Team: Die Mediziner hatten mehr als 60 Studien aus der Zeit zwischen 1980 und 2014 mit Daten von 15 000 Rauchern und 273 000 Nichtrauchern ausgewertet, darunter jeweils auch Personen, bei denen psychische Erkrankungen wie Schizophrenie diagnostiziert worden waren. 57 Prozent der Patienten, die unter einer Psychose litten, waren gleichzeitig regelmäßige Zigarettenkonsumenten.

"Wer täglich rauchte, der entwickelte diese Psychose zudem im Schnitt ein Jahr früher als Nichtraucher", so der an der Arbeit beteiligte Psychiater Robin Murray vom King's College in London. Außerdem spielte das Alter eine Rolle: Je eher eine Person zur Zigarette griff, desto höher war das Risiko für psychische Erkrankungen. Umgekehrt fanden die Forscher keine überdurchschnittlich stark zunehmende Zahl von Menschen, die mit dem Rauchen anfingen, nachdem bei ihnen eine Psychose diagnostiziert worden war – was ebenfalls gegen die These spricht, dass Nikotin als Selbstmedikation etwa gegen die Symptome der Krankheit oder Nebeneffekte der Psychopharmaka helfen würde.

Womöglich spiele der Dopaminhaushalt bei dem Zusammenhang zwischen Rauchen und Psychosen eine Rolle, so Morris und Co. Der Botenstoff wirkt auf das Belohnungszentrum des Gehirns und gilt als potenziell schizophreniefördernd. Dieser Zusammenhang ist allerdings noch nicht belegt: Manche Forscher halten auch Serotonin für verantwortlich. "Nikotin steigert die Ausschüttung von Dopamin, was womöglich dazu beiträgt, dass sich psychische Krankheiten entwickeln", sagt jedoch Morris.

Wie das Team allerdings betont, stellt seine Studie noch keinen handfesten Beleg dafür dar, dass Rauchen Psychosen fördert. Der Zusammenhang sei bislang nur statistisch nachgewiesen. Die Ergebnisse legten jedoch nahe, dass Rauchen nicht nur das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs erhöhe, sondern auch als potenzieller Faktor für Psychosen gelten müsse – und nicht nur als eine Folge der Krankheit.