Die transkranielle Magnetstimulation ist ein wertvolles Werkzeug in der neurowissenschaftlichen Forschung: Sie erlaubt, mit Magnetfeldern gezielt verschiedene Hirnareale von außen zu beeinflussen, was etwa bei der Therapie von neurologischen Erkrankungen oder Depression eingesetzt wird. Zudem kann mit der Technik auch die Funktion bestimmter Hirnregionen untersucht werden – was nun Psychologen um Keise Izuma von der University of York und seine Kollegen dazu nutzten, den Ort im Gehirn näher einzugrenzen, in dem Ideologien und religiöse Glaubensvorstellungen verarbeitet werden. Dort, im hinteren medialen Frontalkortex (pMFC), lassen sich per Magnetfeld Glaube oder Rassismus dann auch einfach kurzzeitig ausschalten, meinen die Forscher nach ihren Experimenten.

Das Team hatte Freiwillige rekrutiert, die nach eigener Auskunft religiöse Grundüberzeugungen hatten, und diese in zwei Gruppen aufgeteilt – bei einer von beiden dämpften die Forscher die Aktivität des pMFC mit Magnetstimulation, bei der zweiten fingierten sie dies nur. Währenddessen beantworteten die Probanden Fragen zu ihrem Glauben, wurden an die Unausweichlichkeit ihres Todes erinnert und schließlich indirekt auf ihre Einstellung gegenüber Menschen anderer Hautfarbe oder von Immigranten geprüft, um mögliche rassistische Tendenzen aufzudecken. Die Auswertung zeigte, dass die Probanden mit durch Magnetfelder ausgeschaltetem pMFC sich zu rund einem Drittel seltener als die Vergleichsgruppe Glaubensinhalte zu eigen machten, also Gott, Engel oder ein Paradies für persönlich relevant erklärten. Gleichzeitig zeigten sie sich in ähnlichem Ausmaß toleranter gegen eine psychologische "Out-Group", also etwa gegenüber kritischen Meinungsäußerungen von angeblichen Immigranten über das Heimatland der Kandidaten.

Damit sei es erstmals gelungen zu beweisen, dass gruppenspezifische Vorurteile und religiöse Vorstellungen durch Magnetstimulation gezielt beeinflusst werden können, freuen sich die Psychologen. Zudem werde deutlicher, wie im pMFC Entscheidungsprozesse ablaufen, bei denen reale und eher abstrakte Inhalte und Vorstellungen zusammenlaufen und verarbeitet werden. Hier werden etwa Diskrepanzen zwischen erwünschten und tatsächlichen Ereignissen verglichen und bewertet, um daraus Regeln für eigene zukünftige Handlungen abzuleiten. Entscheidend war auch die experimentelle Situation, so die Psychologen: Die Probanden wurden durch die Fragen nach ihrem Tod dazu gebracht, auf ihre religiösen Inhalte als Trost zurückzugreifen. In diesem Zustand verstetigen sich automatisch andere Überzeugungen, die von realen Fakten nicht gedeckt sind – etwa rassistische Vorurteile. Wird der ganze Prozess aber gedämpft, so trifft dies beides gleichermaßen. Bei nicht religiösen Menschen hätte der Versuchsaufbau wiederum ganz anders aussehen müssen, um ähnliche Zusammenhänge aufdecken zu können.