Vor 148 Millionen Jahren lebte an den Küsten eines Kontinents, der später Europa werden sollte, ein beachtliches Krokodil. Mit einer Länge von knapp sechs Metern – wovon ein Meter auf den Schädel entfiel – und großen starken Zähnen gehörte das Reptil zu den größten Raubtieren, die damals am Übergang zwischen Land und Meer existierten. Zu Ehren des 2015 verstorbenen Sängers von Motörhead Lemmy Kilmister benannten Michela M. Johnson von der University of Southampton und ihr Team das Tier nach Lemmy Kilmister, wie sie im "Zoological Journal of the Linnean Society" schreiben: Lemmysuchus obtusidens gehörte zu den Teleosauridae, einer Gruppe meeresbewohnender Krokodile aus dem Jura.

Gefunden wurden die Überreste von Lemmysuchus obtusidens schon im frühen 20. Jahrhundert in einer Tongrube im britischen Peterborough, doch wurden sie fälschlicherweise lange anderen Meereskrokodilen zugeschrieben, deren Fossilien ebenfalls an dieser Fundstätte ausgegraben wurden. Erst eine neue Untersuchung durch Johnson und ihren Kollegen erkannte den eigenständigen Charakter der Knochen. Markant ist vor allem die breite Schnauze mit den abgestumpften Zähnen, die wahrscheinlich dazu dienten, die Panzer von Schildkröten zu knacken. Andere Teleosauridae besaßen hingegen lange, spitze Münder mit scharfen, aber schmäleren Zähnen, mit denen sie Fische packen konnten – ähnlich wie das heute bei den asiatischen Gavialen der Fall ist.

Der Vorschlag, das Tier nach dem Metal-Sänger Kilmister zu benennen, kam von Lorna Steel, der Kuratorin des Natural History Museum in London. Sie ist nach eigenem Bekunden Fan von Motörhead und war entsprechend traurig, als der Sänger 2015 verstarb: "Uns freut der Gedanke, dass Lemmy wohl das Glas auf Lemmysuchus erhoben hätte – einer der fiesesten Kreaturen, die je auf der Erde gelebt haben."