Viel Zeit im Sitzen zu verbringen, das führt oft zu Fettleibigkeit. Zahlreiche Studien untersuchen daher dieses Verhalten. Doch nur in den seltensten Fällen nutzen die Forscher Beschleunigungsmesser, welche die Zeit ohne körperliche Bewegung aufzeichnen. Die meisten arbeiten stattdessen mit Fragebögen, denn diese sind preisgünstiger und liefern zudem Informationen über die Art der Tätigkeit. Aber eine neue Untersuchung zeigt: Die Daten aus den Fragenkatalogen liegen stark abseits der objektiven Werte.

Olivia Affuso von der University of Alabama in Tuscaloosa und ihre Kollegen verglichen die beiden Methoden. Sie statteten 201 Jugendliche mit Beschleunigungsmessern aus und ließen sie drei Tage lang notieren, welche Zeitspannen sie im Sitzen verbrachten. Mit keiner der verbreiteten statistischen Methoden ließ sich eine Korrelation zwischen Selbstauskunft und objektiv erhobenen Daten aufzeigen – die Selbsteinschätzung ist nicht wahrheitsgetreu. Ihr Ergebnis veröffentlichten sie jetzt im "Journal of Negative Results in Biomedicine", das sich – ganz nach dem Motto "kein Ergebnis ist auch ein Ergebnis" – der Veröffentlichung von Studien ohne positiven Befund widmet.

Die Forscher vermuten, dass Teilnehmer ihre Antworten unbewusst beschönigen und in eine sozial erwünschtere Richtung lenken. Sie wiesen nach, dass übergewichtige Mädchen angaben, weit weniger zu sitzen, als die Messung zeigte. Denselben Effekt beobachteten die Forscher bei normalgewichtigen Jungen. Obwohl sich die absolute Mußezeit weder zwischen Jungen und Mädchen noch zwischen Übergewichtigen und Normalgewichtigen unterschied, waren die Angaben im Fragebogen sehr unterschiedlich. (gw)