"Ein Bild sagt mehr als tausend Worte" – dieses Sprichwort trifft auch in sozialen Netzwerken zu. Denn der erste Eindruck, den wir vermitteln, wirkt sich darauf aus, ob wir auf den diversen Onlineplattformen neue Freunde, Dating-Partner oder berufliche Kontakte für uns gewinnen können. Den Einfluss des Profilbilds haben nun David White von der University of New South Wales in Sydney und zwei Kolleginnen untersucht. Das Forscherteam musste allerdings feststellen, dass wir selbst gar nicht so gut darin sind, das perfekte Foto auszuwählen – anscheinend schaffen es Fremde besser, uns in ein günstiges Licht zu rücken, schreiben die Forscher in "Cognitive Research: Principles and Implications".

Für den ersten Teil des Experiments wurden 102 Studentinnen und Studenten rekrutiert. Die Forscher luden von deren persönlichen Facebook-Seiten jeweils zwölf Profilbilder herunter, die die Studierenden aktuell oder in der Vergangenheit verwendet hatten. Dann mussten diese angeben, welches der Bilder sie in drei verschiedenen Kontexten – in sozialen Netzwerken wie Facebook, in beruflichen Netzwerken wie LinkedIn und auf Dating-Portalen wie Match.com – am wahrscheinlichsten verwenden beziehungsweise mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht verwenden würden. Anschließend wurden die eigenen Bilder noch in Bezug auf Attraktivität, Vertrauenswürdigkeit, Dominanz, Kompetenz und Selbstvertrauen bewertet. Zu guter Letzt bekamen die Probanden die Bilder eines ihnen fremden Probanden vorgelegt und mussten das passendste beziehungsweise unpassendste für die drei Onlineplattformen wählen und den Charakter der abgebildeten Person einschätzen.

Im nächsten Schritt luden die Forscher mehr als 600 neue Versuchspersonen dazu ein, die Selbstporträts der 102 Probanden noch einmal im Hinblick auf die zuvor genannten Eigenschaften zu bewerten. Danach sahen sie sich die Passung zwischen der Bildauswahl der ersten Probandengruppe und den Charakterbewertungen der zweiten Gruppe an. Dabei stellten sie fest, dass die neuen, unbefangenen Versuchspersonen die von den Probanden selbst gewählten Fotos weniger positiv bewerteten als jene Bilder, die diese für fremde Probanden ausgesucht hatten. Besonders wenn es um die Vertrauenswürdigkeit und die Kompetenz ging, überstrahlten die Fotos von Fremden die eigenen; die Attraktivität litt allerdings nicht unter der eigenen Auswahl der Fotos, sondern wurde von allen etwa gleich hoch bewertet.

Eigenes Gesicht macht fehleranfällig

Im Allgemeinen waren die Versuchspersonen ganz gut darin, ihre Bildauswahl an den Nutzungskontext – sei er nun professionell oder privat – anzupassen. Die Tatsache, dass die selbst gewählten Profilbilder nicht so einen guten Eindruck vermitteln konnten wie die von Fremden ausgewählten, überraschte die Forscher trotzdem. Die bestehende Literatur deutet nämlich eher darauf hin, dass Menschen gut darin sind, online ihre positiven Eigenschaften zu unterstreichen. White und seine Kolleginnen spekulieren daher, dass der Drang, sich selbst positiv darzustellen, Personen blind gegenüber den kleinen Unterschieden zwischen den Selbstporträts macht. Die relative Unvoreingenommenheit gegenüber Fremden schärft unseren Blick hingegen und lässt die besten Bilder klarer aus der Menge hervorstechen.

Das Forscherteam hofft in der Zukunft auf mehr Forschung zum perfekten Profilbild; denn die Tatsache, dass sich bei der Attraktivität der ausgewählten Bilder doch alle recht einig waren, sorgt noch für Verwirrung. Dies könnte jedoch damit zusammenhängen, dass die bewerteten Bilder direkt von Facebook heruntergeladen wurden – damit war bereits eine Vorselektion gegeben, da die Probanden keine komplett unvorteilhaften Fotos von sich ins Netz gestellt hätten.