Schon seit geraumer Zeit rätseln Forscher darüber, warum Zebras so auffällig gestreift sind. Eine Theorie besagt, dass die Streifen den Tieren möglicherweise als Tarnung dienen, weil Fressfeinde so etwa ihre Konturen schlechter ausmachen und einzelne Tiere in einer Herde nicht mehr so gut erkennen könnten. In der Vergangenheit meldeten aber bereits einige Wissenschaftler Zweifel an dieser Hypothese an. Sie glauben, dass andere Theorien die Zebrastreifen besser erklären. Nun konnte ein Team um Amanda Melin von der Washington University in St. Louis sogar zeigen: Löwen und Tüpfelhyänen, zwei der Hauptfressfeinde von Zebras, können die Streifen vermutlich nicht einmal erkennen – sofern sie sich nicht schon vergleichsweise nah an den Tieren befinden.

Die Wissenschaftler nutzten spezielle Fotofilter, um anhand von Forschungsdaten zu simulieren, wie Zebras in den Augen der Räuber aussehen. Dabei zeigte sich, dass Löwen und Hyänen – die dem Menschen zwar nachts optisch überlegen sind, am Tag aber weniger detailreich sehen – selbst bei hellem Tageslicht die Zebrastreifen ab einer Entfernung von mehr als 50 Metern wohl nicht mehr erkennen können. Im Dämmerlicht tritt dieser Effekt bereits ab 30 Metern auf, und in einer mondlosen Nacht müssen die Tiere schon bis auf neun Meter herankommen, um die Streifen überhaupt noch erahnen zu können. Die meiste Zeit, so schlussfolgern die Forscher, sehen Zebras für Löwen und Hyänen demnach eher wie graue Wasserbüffel aus. Das trifft interessanterweise zum Teil auch auf die Zebras selbst zu, die die Streifen ihrer Artgenossen offenbar ebenfalls nicht so gut erkennen können wie der Mensch.

Entsprechend halten Melin und ihre Kollegen es für unwahrscheinlich, dass die Zebrastreifen hauptsächlich Tarnzwecken dienen. Sollten sie doch eine Tarnwirkung haben, dann höchstens auf relativ kurze Distanz. Wahrscheinlicher ist demnach, dass die Streifen vor allem vor Bremsen und Tsetsefliegen schützen, die mitunter zahlreiche Krankheiten übertragen und die schwarz-weißen Flächen zu meiden scheinen, oder zur Thermoregulation.