In der zweiten Oktoberhälfte sind die Nächte wieder dunkler, denn am 19. ist Neumond. Hoch im Zenit kann man im Sternbild Schwan im oberen Flügel den so genannten blinkenden Planetarischen Nebel finden. Der Name des Nebels geht auf eine Eigenschaft des menschlichen Sehens zurück: Wir sind keine nachtaktiven Lebewesen und unsere Augen sind für das Tageslicht optimiert. Daher gibt es im Zentrum des Blickfelds auf der Netzhaut mehr farbempfindliche Zapfen und weniger lichtempfindliche Stäbchen als im Umfeld. Um schwache Nebel zu sehen, muss man oft das "indirekte Sehen" anwenden. Das bedeutet, man blickt etwas an dem Objekt im Okular vorbei, um das schwächere Licht besser wahrnehmen zu können und trickst so die Netzhaut aus. Besonders deutlich wird dieser Effekt bei NGC 6826, dem blinkenden Planetarischen Nebel. Benutzt man hier indirektes Sehen, zeigt sich der komplette runde Nebel. Blickt man jedoch direkt auf den Nebel, so verschwindet er und es ist nur noch der hellere Zentralstern zu sehen. Natürlich ändert sich am Beobachtungsobjekt selbst nichts, es handelt sich nur um eine optische Täuschung. Das Teleskop sollte hierfür allerdings nicht zu groß sein, da der Effekt dann ein wenig nachlässt. Der Nebel ist mit 10 mag Helligkeit gut für Teleskope ab Durchmessern von 15 bis 20 Zentimetern erreichbar.

Aufsuchkarte für die Planetarischen Nebel NGC 6826 und NGC 6543
© Tobias Häusler / Easy Sky
(Ausschnitt)
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Im Sternbild Schwan lässt sich am linken Flügel der blinkende Planetarische Nebel NGC 6826 beobachtet, weiter östlich im Drachen lockt der Katzenaugennebel NGC 6543.

Das nächste interessante Objekt ist der Katzenaugennebel NGC 6543. Er befindet sich nicht weit von NGC 6826 entfernt im Sternbild Drache. Seine Erscheinung im Teleskop ist oval mit gegenüberliegenden Spitzen. Mit einem Teleskop mit einer Öffnung kleiner als 30 Zentimeter wird man wahrscheinlich keine weiteren Details ausmachen können. Der Nebel hat eine Helligkeit von neun mag und ist damit auch schon in kleineren Teleskopen zu erkennen. Seinen Namen erhielt NGC 6543 wegen seiner Erscheinung in größeren Teleskopen, in denen er an das Auge einer Katze erinnert.

Für weitere Informationen über das Geschehen am Nachthimmel im Oktober empfehlen wir Ihnen die monatliche Rubrik "Aktuelles am Himmel", die in jedem Heft von "Sterne und Weltraum" erscheint.

Die Sommermilchstraße ist abends noch gut zu sehen und natürlich auch deren Beobachtungsziele. An den Nächten um Neumond lässt sich mit sehr niedriger Vergrößerung im Sternbild Schwan der Nordamerikanebel NGC 7000 beobachten. Seine Form ähnelt dem gleichnamigen Kontinent und erscheint am Himmel ziemlich groß. Somit teilt sich seine Helligkeit auf eine große Fläche auf und ein Nebelfilter ist hier extrem hilfreich. Am besten kann man den "Golf von Mexiko" im Nebel erkennen, da sich hier eine Dunkelwolke im Vordergrund scharf abgrenzt. Der Nebel befindet sich nahe beim hellen Stern Deneb.

Bild des Cygnus-Nebelkomplexes
© Dieter Willasch
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernBild des Cygnus-Nebelkomplexes
Im linken oberen Bereich dieser Übersichtsaufnahme zeigt sich der Nordamerikanebel NGC 7000, rechts von ihm befindet sich Deneb, der Hauptstern des Sternbilds Schwan. Unten links sind der Zirrus-Nebel und rechts von der Bildmitte der kleine Crescent-Nebel zu sehen. Dieter Willasch benutzte ein 80-Millimeter-Objektiv, um dieses ausgedehnte Himmelsareal mit unterschiedlichen Filtern aufzunehmen.

Der Nordamerikanebel ist nur ein Teil eines riesigen roten Wasserstoff-Nebelgebiets, das sich über das ganze Sternbild Schwan erstreckt. Es gibt darin jedoch eine Ausnahme: Der Crescent-Nebel NGC 6888 ist zwar klein, aber ein sehr interessantes Beobachtungsobjekt. Im Teleskop erinnert er auch ein wenig an eine Ohrmuschel. In Teleskopen ab zwölf Zoll Öffnung kann man den ganzen Nebel bewundern. Er weist eine leichte Nierenform und eine netzartige Struktur auf und ähnelt sehr dem Kokon einer Seidenraupe. Auf Fotos sticht er durch seine blaugrüne Farbe deutlich gegenüber dem roten Hintergrund hervor. Die Ursache für diesen Nebel ist ein so genannter Wolf-Rayet-Stern, ein hochaktiver massereicher Stern, der sehr viel Gas und Staub ausgestoßen hat und den Nebel nun zum Leuchten anregt. Auch hier ist für die Beobachtung ein Nebelfilter unerlässlich. Den Crescent-Nebel findet man auf halber Stecke zwischen den beiden Sternen Sadir und Eta Cygni.

Übersichtskarte der Andromeda mit Messier 31, Messier 33 und NGC 891
© Tobias Häusler / Easy Sky
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernÜbersichtskarte von Andromeda mit Messier 31, Messier 33 und NGC 891
Im Sternbild Andromeda befindet sich die berühmte Spiralgalaxie Messier 31, auch Andromedanebel genannt. Sie erstreckt sich über eine Länge von drei Grad, also die sechsfache Breite der Vollmondscheibe. Messier 31 ist die uns nächste große Spiralgalaxie und ist unserem Milchstraßensystem vom Aufbau her recht ähnlich. Südlich von M 31 im Sternbild Dreieck ist die Galaxie Messier 33 zu finden. Am Ende der lang gezogenen Sternenkette von Andromeda zeigt sich die Nadelgalaxie NGC 891, eine Spiralgalaxie, die wir exakt in Kantenstellung sehen.

Im Osten liegen das Pegasus-Quadrat und Andromeda mit der Andromedagalaxie Messier 31. Sie ist unter einem dunklen Himmel schon mit dem bloßen Auge zu sehen. Durch Starhopping gelangt man vom linken Stern des Quadrats zwei Sterne nach links und zwei nach oben und ist schon da. Allerdings kann man auch einen anderen Weg einschlagen und von der Sternenkette Andromedas einfach die gleiche Strecke nach unten gehen. Dort trifft man auf die Galaxie Messier 33 oder auch Dreiecksgalaxie. Diese Galaxie ist zwar kleiner als der berühmte Andromedanebel, aber immer noch ein Riese am Himmel verglichen mit anderen Vertretern ihrer Art. Bei dieser Galaxie schauen wir mehr aus der Vogelperspektive auf die galaktische Scheibe als beispielsweise bei Messier 31 oder gar bei viel extremeren Beispielen in Kantenstellung.

Die Spiralgalaxie Messier 33 im Sternbild Dreieck
© Tobias Häusler
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernDie Spiralgalaxie Messier 33 im Sternbild Dreieck
Tobias Häusler fotografierte die Spiralgalaxie Messier 33 im Sternbild Dreieck mit einem 45-Zentimeter-Newton-Teleskop und belichtete 40 Sekunden. Die Spiralstruktur dieser Welteninsel und einige in ihr befindliche Sternhaufen treten deutlich hervor.

Und ein solch extremes Beispiel findet sich direkt am Ende der langen Andromeda-Sternenkette. Die Galaxie NGC 891 ist ein Paradebeispiel für eine Galaxie in Kantenlage oder auf Englisch: edge on. Sie ist so ausgerichtet, dass sie im Teleskop einen schwarzen Strich entlang einer hellen Nadel zeigt. Daher wird sie auch Nadelgalaxie genannt. Dieser dunkle Strich stellt Staubwolken in der Hauptebene der Galaxie dar, die uns die Sicht auf das Zentrum versperren. NGC 891 ist eine attraktive Welteninsel, die sich mit zehn mag Helligkeit auch noch gut in mittleren Teleskopen beobachten lässt.

Die Nadelgalaxie NGC 891 im Sternbild Andromeda
© Tobias Häusler
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernDie Nadelgalaxie NGC 891 im Sternbild Andromeda
Die Galaxie NGC 891 fotografierte Tobias Häusler mit einem Acht-Zoll-Newton-Teleskop. Sehr schön treten der Staub in der galaktischen Ebene und die zentrale Aufwölbung der Galaxie, der Bulge, hervor.