Seit 2012 beobachten Astrophysiker das Schicksal der Gaswolke G2, die sich Sagittarius A*, dem Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße, näherte. Simulationen hatten ergeben, dass Wolke und Loch sich auf 30 Milliarden Kilometer annäherte und G2 durch die Gezeitenkräfte zerrissen würde. Das hat sich jetzt als falsch herausgestellt. Astronominnen um Andrea Ghez von der University of California Los Angeles beobachteten, dass die Wolke ihre Begegnung mit Sagittarius A* fast unverändert überstanden hat. Zwar sind die Außenbereiche von G2 während der Passage angemessen zerfleddert worden, ihr Kern aus warmem Gas aber ist erstaunlich stabil geblieben.

Das bedeutet, dass die Wolke weit mehr Masse haben muss, als ihr bisher zugetraut wurde – mehr als unsere Sonne. Allerdings ist die Wolke dafür eigentlich zu leuchtschwach. Deswegen vermuten die Forscherinnen einen anderen Entstehungsmechanismus, nämlich die Verschmelzung eines engen Doppelsternsystems, ausgelöst durch die Nähe des Schwarzen Lochs. Der warme Kern der Wolke wäre demnach nichts anderes als die äußere Atmosphäre des neu gebildeten Sterns, während die Gasschleier außen herum während der turbulenten Verschmelzung ausgestoßen wurden. Dem allerdings widersprechen die Autoren der ursprünglichen Simulation – das Szenario sei sehr speziell und außergewöhnlich und deswegen sehr unwahrscheinlich. Viel eher handele es sich um einen normalen Stern am Ende seines Lebenszyklus.