Wer Kinder kennt, kennt auch allerlei drollig-fantasievolle Interpretationen von nur halb verstandenen Alltagserfahrungen und schräge Schlussfolgerungen. Dabei ziehen die Kleinen sie aber oft nur deshalb, weil die Großen vergessen haben, ihnen notwendige, nur scheinbar selbstverständliche Hintergrundinformationen zu liefern. Ein Beispiel fassen die amerikanischen Kinderpsychologinnen Jacqueline D. Woolley und Amanda M. Rhoads im Fachblatt "Imagination, Cognition and Personality" zusammen: das sichere Wissen von Fünfjährigen, dass sie älter werden, weil sie Geburtstag feiern – sonst aber nicht.

Die Wissenschaftlerinnen hatten bei 99 jungen Freiwilligen deren Vorstellungen über das Konzept "Altern" abgefragt. Dabei offenbarten die drei- bis fünfjährigen Befragten ein altersgerechtes, bisher jedoch übersehenes typisches Verständnisproblem: Ihre Geburtstagsfeier markiert für sie nicht das Ende eines Zeitraums, sie ist vielmehr recht eindeutig die Ursache dafür, ein Jahr älter zu werden.

Eine durchaus logische Interpretation, finden die Forscherinnen: Schließlich werde den Kleinen am Geburtstag gesagt, sie würden ein Jahr älter, fast nie aber an einem beliebigen anderen Tag des Jahres. Überhaupt haben die Kleinen mitbekommen, dass ihr Alter für Erwachsene eine recht hohe Bedeutung zu haben scheint: Schließlich werden Kinder oft direkt darauf angesprochen, wie alt sie sind und wann sie ein Jahr älter werden. Zu wechseln scheint diese so häufig abgefragte richtige Antwort aber immer nur einmal im Jahr – zudem mit einer zünftigen Party. Und weil den Kindern auch das Prinzip von Ursache und Wirkung schon klar ist, entlarven sie schnell das Ereignis "Geburtstagsfeier" als Auslöser des Alterungsprozesses. Etwas ältere Kinder beginnen das schwierige Prinzip Alter dann allmählich genauer zu durchschauen – wie sich ohnehin bei Siebenjährigen Denkprozesse wie Gedächtnisfunktionen deutlich verändern.