Jedes Wort, das Ihnen einfällt, erzeugt in Ihrem Gehirn ein spezielles Aktivitätsmuster, in dem es gleichsam verschlüsselt ist. Wer dieses Muster dekodieren könnte wüsste, was Sie denken. Ein Team um Tom Mitchell von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh (Pennsylvania) ist diesem Gedankenlesen bei einem eingeschränkten Satz von Wörtern jetzt schon ziemlich nahe gekommen.

Die Wissenschaftler vermuteten einen Zusammenhang zwischen der Bedeutung eines Begriffs und seinem Aktivitätsmuster im Gehirn. Dieses Muster sollte also zum Beispiel bei allen Ausdrücken, die wir gewöhnlich mit dem Verb „essen“ verbinden, Ähnlichkeiten aufweisen. Folglich bestimmten die Forscher die statistische Korrelation zwischen 60 Substantiven und 25 Verben, die grundlegende sensorische und motorische Funktionen bezeichnen. Dann ließen sie ein Computerprogramm diesen Datensatz mit Magnetresonanz-Aufnahmen vergleichen, die an Probanden aufgenommen worden waren. Dabei lernte das Rechnermodell, die Aktivierung von Hirnregionen mit Korrelationen zu einzelnen Verben in Verbindung zu bringen. Auf diese Weise konnte es schließlich auch bei unbekannten Substantiven die zugehörigen Aktivierungsmuster qualitativ korrekt vorhersagen.

Die Ergebnisse erlauben zwar noch kein wirkliches Gedankenlesen, lassen aber Rückschlüsse darauf zu, wie Wörter im Gehirn codiert sind – nämlich in erster Linie nach ihrer Bedeutung und nicht, wie man auch vermuten könnte, nach dem Lautmuster. So sagte das Computerprogramm etwa bei Wörtern, die mit dem Verb „schieben“ zusammenhängen, korrekterweise eine starke Aktivierung des rechten Postzentralen Gyrus vorher, der an der Planung komplexer Bewegungen beteiligt ist.

Lars Fischer