Im Gegensatz zu Tieren ist der Mensch in der Lage, sich geistig in die Vergangenheit oder Zukunft zu begeben. Derartige Gedankenreisen helfen, die Herausforderungen des täglichen Lebens zu meistern. Doch bis jetzt sind die psychologischen Grundlagen dieser kognitiven Leistung nur wenig erforscht. Wissenschaftler um Lynden Miles von der University of Aberdeen in Großbritannien untersuchten nun, wie sich geistige Zeitreisen in der räumlichen Vorstellung des Menschen widerspiegeln und fanden heraus, dass uns Gedankenreisen in Bewegung bringen: Denken wir an vergangene Ereignisse, schwanken wir leicht nach hinten – Gedanken an die Zukunft verursachen dagegen Vorwärtsbewegungen.

Die Forscher statteten dazu 20 Probanden, die eine entspannte Haltung im Stehen einnahmen, mit einem Bewegungssensor über dem linken Knie aus, der jede ihrer Regungen aufzeichnete. In zwei unterschiedlichen Experimenten sollten sich die Versuchspersonen entweder an die täglichen Lebensumstände vor vier Jahren erinnern oder aber sich die Gegebenheiten in der Zukunft vorstellen. Um lebendigere Bilder zu erzeugen und den Gleichgewichtssinn der Probanden zu irritieren, trugen die Studienteilnehmer Augenbinden. Die Messungen offenbarten dann das charakteristische Schwanken.

Unsere Vorstellungen von Raum und Zeit sind eng aneinander gekoppelt: Während wir die Zukunft vor uns liegen sehen, befindet sich die Vergangenheit hinter uns. Nur ein Volk stellt die vermeintliche Universalität dieser Wahrnehmung in Frage: die Aymara – ein südamerikanisches Volk, das im Hochland der Anden lebt. Sie sehen die Zukunft hinter sich und die Vergangenheit vor sich. (pf)