Was Meteorologen letzte Woche aus der iranischen Stadt Bandar Mahshahr berichteten, ist selbst für den an Hitze gewöhnten Nahen Osten extrem: eine gefühlte Temperatur von 73 Grad. Über der gesamten Region von Ägypten bis zum Iran liegt eine gewaltige Hitzeglocke – und Erleichterung ist vorerst nicht in Sicht. Ursache für die unerträglichen Bedingungen ist ein Zusammentreffen zweier meteorologischer Extreme: In der iranischen Stadt kam zu der realen Temperatur von 46 Grad eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit hinzu. Diese Kombination erzeugt eine Temperaturwahrnehmung, die sich bei normalen Bedingungen nur mit Saunatemperaturen einstellt. Fachleute erwarten viele zusätzliche Todesfälle durch die schwüle Hitze, besonders bei älteren Menschen.

Die gefühlte Temperatur ist ein ungefähres Maß dafür, wie wir unsere Umgebung wahrnehmen – unser Temperaturempfinden hängt eben nicht nur von der physikalischen Temperatur ab. So fühlt sich die Luft bei Wind kälter an als bei stehender Luft. Umgekehrt behindert hohe Luftfeuchtigkeit den Wärmetransport aus dem Körper, so dass die empfundene Temperatur deutlich höher liegt als das Thermometer anzeigt – und das ist jetzt im Nahen Osten der Fall. Die Hitze geht auf ein stabiles Hochdruckgebiet über der Region zurück, die Luftfeuchtigkeit auf einen in diesem Fall keineswegs kühlenden Seewind vom Persischen Golf. In den nächsten Tagen sollen die Temperaturen zum Beispiel in Basra bis auf 50 Grad steigen. Allerdings sind nicht die Höchsttemperaturen das größte Problem, sondern dass das Thermometer auch nachts nicht unter 36 Grad fallen soll – und dass in vielen betroffenen Regionen die Klimaanlagen aus Energiemangel nicht laufen: Im Irak gingen bereits am Wochenende viele Menschen auf die Straße, um gegen Stromausfälle zu protestieren.