Seit Jahren beobachten Wissenschaftler vor der Westküste Südafrikas ein eigenartiges Phänomen: Obwohl Buckelwale in der Region vor einigen Jahrzehnten eher selten gesichtet wurden, kommen dort inzwischen regelmäßig rund 200 solcher Tiere auf einer winzigen Fläche zusammen. Ein Team um den Meeresbiologen Mduduzi Seakamela vom südafrikanischen Umweltministerium hat nun den Grund für diese rätselhaften Massentreffen gelüftet: Offenbar erwartet die Meeressäuger dort eine Art marines All-you-can-eat-Buffet.

Seakamela und seine Kollegen statteten etwa ein Dutzend Buckelwale in der Region mit kleinen Kameras mit Bewegungssensoren und Tiefenmessern aus. Auf diesem Wege konnten sie zunächst keine Auffälligkeiten im Verhalten der Tiere feststellen – bis diese sich plötzlich an einem Nachmittag gemeinsam mit zahlreichen Artgenossen an einem Ort im Meer einfanden, an dem die Dichte an Krill, kleinen garnelenförmigen Krustentieren, die auf der Nahrungsliste der Wale ganz oben stehen, ungewöhnlich hoch war. In der rund 40 Meter dicken Schicht aus Wasser tummelten sich etwa 107 Gramm Krill pro Kubikmeter – fast das Doppelte der normalen Krilldichte. Die Wale mussten praktisch nur das Maul öffnen, um sich den Bauch vollzuschlagen, erklärte David Cade von der Stanford University, der ebenfalls an der Untersuchung beteiligt war, dem Magazin "Sience".

Üblicherweise jagen Buckelwale in kleinen Gruppen von zwei oder drei Tieren, indem sie den Mund öffnen, nach vorne hechten und große Mengen an Wasser und Beutetieren einsaugen. Insofern stellt das Verhalten der Wale vor Südafrika eine ungewöhnliche Ausnahme dar. In den Augen der Forscher demonstriert es eine erstaunliche Bereitschaft der Tiere, ihr Jagdverhalten an neue Nahrungsbedingungen anzupassen. Seakamela und seine Kollegen stellten ihre Ergebnisse auf einer Konferenz der Society for Marine Mammalogy vor.