Blickkontakt, also die Aufmerksamkeit auf eine andere Person zu fokussieren, ist ein starkes soziales Signal, das unter anderem auch physiologisch anregend wirkt. Doch nicht jeder Mensch empfindet das als angenehm, bei manchem Menschen löst schon die Vorstellung, Blickkontakt aufzunehmen, Angstzustände aus. Nun hat ein Team der Forscherin Helen Uusberg von der Universität Tartu in Estland diese Persönlichkeitsunterschiede auch in der Hirnaktivität ausmachen können. Sie maßen Elektroenzephalogramme von Personen, bei denen andere Menschen Blickkontakt aufnahmen oder zur Seite wegblickten. Dabei zeigte sich, dass eine zuvor in Tests festgestellte neurotische Veranlagung sich im Hirn als mit Vermeidung assoziierte Aktivität äußert.

Die allermeisten Menschen suchen die Blicke anderer Personen und nehmen andere Menschen, die Blickkontakt vermeiden, als untypisch oder wenig vertrauenswürdig wahr. Allerdings ist Blickkontakt vor allem eine Persönlichkeitsfrage – nicht alle Menschen sind gerne im Zentrum der Aufmerksamkeit. Dass sich diese Unterschiede auch in den Aktivierungsmustern im Gehirn zeigen, hatte man bisher nur vermutet. Die Ergebnisse von Uusberg und ihrem Team zeigen nun, dass das Gehirn je nach Veranlagung auf Blickkontakt hin eine Annäherung einleitet oder eben latentes Vermeidungsverhalten.