Gelbfieber ist ein alter Begleiter der Menschheit – und immer wieder werden Fachleute unsanft daran erinnert, dass die Krankheit auch heute noch gefährlich ist. Seit Januar sind in Angola etwa 350 Menschen an Gelbfieber gestorben, etwa einer von zehn Erkrankten. Erste Fälle sind schon in anderen Ländern aufgetaucht, dazu zählen elf Menschen in China, die sich in Angola infiziert hatten.

Einige Experten fürchten, Gelbfieber könne sich auf diesem Wege sogar in Asien etablieren. Der Kontinent beherbergt den Erreger bisher nicht, dafür aber die Moskitos, die ihn übertragen – die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) und ihre Verwandte, die Asiatische Tigermücke (Stegomyia albopicta). Letztere ist auch in Europa anzutreffen.

Deswegen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nun eine neue Impfkampagne angekündigt, um die Ausbreitung der Krankheit zu unterbinden. Im Fokus stehen neben dem Grenzverkehr zwischen Angola und dem Kongo etwa zehn Millionen Menschen in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa. Dass der Erreger auf die Metropole überspringt, möchte die WHO unbedingt verhindern. Ein Gelbfieberausbruch in der Millionenstadt sei eine tickende Zeitbombe und könnte die Krankheit unkontrollierbar machen, so Fachleute.

Tickende Zeitbombe

Gelbfieber werde dann zum Problem, wenn der Erreger in den urbanen Zyklus wechselt, also in der Stadt zwischen Moskitos und Menschen übertragen wird, statt im Wald vor allem zwischen Moskitos und anderen Primaten, erklärt der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. "Dort werden Menschen manchmal krank, wenn sie im Wald waren. In der Stadt dagegen sind potenziell tausende Menschen betroffen."

"Dass die Krankheit in Angola in den Städten Fuß gefasst hat, hängt mit den klassischen Problemen zusammen, die in Afrika häufig auftreten: Slums, in denen Moskitos zahlreiche Brutstätte finden, chaotische Urbanisierung, schlechte Infrastruktur und zu wenig Mittel, um die Mücken zu bekämpfen."

Gelbfieber war bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine der gefürchtetsten Erkrankungen der Welt. Unter anderem gehörte das Gelbfieber zu jenen Krankheiten, die dazu führten, dass der Bau des Panamakanals im Jahr 1889 abgebrochen werden musste. Erst später, als wirksame Mittel gegen die Infektionskrankheit vorlagen, gelang die Querung des zentralamerikanischen Isthmus. Gelbfieber ist verwandt mit Dengue und Zika, allerdings weitaus gefährlicher – auch wenn 85 von 100 Infizierten nur leicht erkranken. Die restlichen 15 Prozent jedoch bekommen Gelbsucht, die der Krankheit ihren Namen gab – etwa die Hälfte von ihnen stirbt. Ein Heilmittel gibt es bis heute nicht. Dafür steht seit 1937 ein hoch wirksamer Impfstoff gegen den Erreger zur Verfügung.

Nach konzentrierten Impfkampagnen bis in die 1960er Jahre des letzten Jahrhunderts hinein galt das Gelbfieber als unter Kontrolle gebracht. Doch nun scheint das gefährliche Virus zurückzukehren. Einerseits hat der große Erfolg gegen die Krankheit dazu geführt, dass viele Länder ihre Impfkampagnen vernachlässigt haben. Außerdem befördert Verstädterung und höhere Bevölkerungsdichte generell die Ausbreitung von solchen durch Moskitos übertragenen Viren.

Gelbfieberepidemien habe es aber in den letzten Jahrzehnten immer wieder gegeben, schränkt Schmidt-Chanasit ein. "Dass der aktuelle Ausbruch in Angola vergleichsweise viel Aufmerksamkeit bekommt, liegt wohl an Zika. Auch die Ebolaepidemie hat sicher die Aufmerksamkeit für solche Tropenkrankheiten geschärft."

Mangel an Impfstoff

Die Seuche in Angola legt allerdings auch ein länger schwelendes Problem offen: Es gibt tendenziell zu wenig Impfstoff. 15 Millionen Impfstoffdosen habe sie bisher eingesetzt, berichtet die WHO, die Vakzine werde außerdem inzwischen rationiert. Für die neue Kampagne würden die sechs Millionen Dosen der globalen Reserve, zusammen mit 13 Millionen für Ende Juli angekündigten Portionen, wohl noch gerade eben reichen.

Wie es danach weitergeht, ist noch nicht klar, zumal die Vakzine auf einem abgeschwächten Erreger basiert, der nicht beliebig schnell in beliebig großen Mengen produziert werden kann. Die Herstellung ist tatsächlich erstaunlich lowtech: Das Impfvirus wird per Hand in Hühnereier gespritzt. Nach vier Tagen Vermehrung entnimmt man den Hühnerembryo und stellt aus ihm eine virenreiche Lösung her – die Basis des Impfstoffes. Dieser Prozess ist zeitaufwändig und kaum auf größere Skalen zu übertragen.

Weltweit gibt es gerade mal vier Produktionsstätten, die den Gelbfieberimpfstoff bereitstellen können, und der enorme Verbrauch während des gegenwärtigen Seuchenzuges übersteigt ihre Kapazität. Ein Ausbruch in Südostasien, wie ihn einige Fachleute angesichts der chinesischen Fälle befürchten, könnte das System überfordern: Die Bevölkerung hat keine Antikörper gegen den Erreger – die Mücken, die ihn übertragen, sind dort jedoch heimisch. Ohne genug Impfstoff wäre eine Gelbfieberepidemie kaum zu stoppen.

Der Hamburger Virologe hält die Wahrscheinlichkeit dafür allerdings für sehr gering. Die historische Erfahrung mit dem jahrhundertelangen Austausch zwischen den beiden Regionen spreche dagegen, so Schmidt-Chanasit. "Im Prinzip kann Gelbfieber natürlich auch jetzt nach Asien überspringen, aber vermutlich verhindern das spezifische ökologische und immunologische Faktoren, die wir noch nicht verstehen."