Für Geld würden die meisten Menschen über Leichen gehen? Dieses Vorurteil stimmt nicht, wie nun ein Versuch von Forschern um Molly Crockett von der University of Oxford zeigt – zumindest wenn tatsächlich körperliche Schmerzen im Spiel sind. Die Wissenschaftler teilten ihre Probanden in Zweiergruppen ein, wobei beide Partner anonym blieben. Einer von ihnen durfte nun in einer Reihe von Versuchsdurchläufen zwischen verschiedenen Geldbeträgen wählen, die allerdings immer mit einer gewissen Anzahl unangenehmer Elektroschocks verbunden waren. Dabei galt: Je mehr Schocks erduldet wurden, desto mehr Geld gab es auch. Den Gewinn bekam stets Partner Nummer eins – die Elektroschocks in der Hälfte aller Fälle aber Partner Nummer zwei, der nichts weiter tun konnte, als das Prozedere über sich ergehen zu lassen.

Im Ergebnis zeigte sich, dass die Teilnehmer sich tatsächlich mehr Geld durch die Lappen gehen ließen, wenn ihr Versuchskollege die Konsequenzen dafür tragen musste. So verzichteten sie im Durchschnitt auf acht Pfund, um ihrem Partner 20 Schocks zu ersparen, aber nur auf vier Pfund, wenn es um ihre eigene Haut ging. Entsprechend mussten auch die Anreize höher sein, um dem Partner dafür eine hohe Anzahl an Schocks zu verpassen. Zudem brauchten die Probanden für ihre Entscheidung länger, wenn jemand anderes dafür leiden musste. Besonders altruistisch veranlagte Menschen zögerten am meisten.

In einem anderen Versuchsszenario beobachteten die Forscher keinen positiven Effekt: Baten Sie die Probanden im Anschluss an den Elektroschocktest, einen Teil ihres Gewinns für einen guten Zweck zu spenden, so gaben auch die sonst so hilfreichen Versuchsteilnehmer im Schnitt gerade einmal 20 Prozent des Geldes auf – ein recht egoistisches Angebot im Vergleich zu ihrem Verhalten bei dem eigentlichen Test. Die Forscher schließen daraus, dass Nächstenliebe offenbar stark vom Kontext abhängt: Geld spenden sei eben nicht das Gleiche wie einen anderen vor leidvollen Erfahrungen zu bewahren.