Die Wissenschaftler entdeckten in den Sensorzellen der Schleimhaut im Magen-Darm-Trakt überraschend Rezeptoren für Thymol und Eugenol, die Aromastoffe des Thymians und der Gewürznelke. In der Nase, wo diese Rezeptoren bisher ausschließlich nachgewiesen wurden, gehören sie zu unserem Geruchssinn. Aber was haben sie in den Verdauungsorgangen zu suchen?

Um das herauszufinden, brachten die Münchner Forscher die Sensorzellen in kontrollierten Versuchen mit den Aromastoffen in Kontakt und prüften die Reaktion. Wie sich zeigte, stieg die Kalziumkonzentration im Zellplasma. Das wiederum regte die Produktion von Serotonin an. Der gemeinhin als Glückshormon bekannte Stoff fördert die Darmperistaltik und die Ausschüttung von Verdauungssäften, was die Zerkleinerung und den Abbau der verspeisten Lebensmittel unterstützt. Auf diese Weise dienen Gewürze also nicht nur dem Gaumenkitzel, sondern auch der Gesundheit.

Diese Erkenntnisse könnten als Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden von Verdauungsbeschwerden wie Verstopfung, Blähungen oder Durchfall dienen – eine Möglichkeit auch für die Naturmedizin. Wie so oft ist ein Übermaß jedoch schädlich: Zu viele ätherische Öle können den Darm reizen. Unter diesem Aspekt stimmt bedenklich, dass viele Nahrungsmittel, Kosmetika und Waschmittel inzwischen mit künstlich hergestellten Aromen angereichert sind.