In der kommenden Nacht könnte sich eine Gelegenheit auftun, auch von unseren Breiten aus Polarlichter am Himmel zu sichten. In der Atmosphäre der Sonne, der Korona, hat sich zum wiederholten Mal ein koronales Loch aufgetan, von dem aus Sonnenwind mit hoher Geschwindigkeit Richtung Erde strömt. Im Norden der USA konnten in der zurückliegenden Nacht bereits Polarlichter gesichtet werden. Die US-amerikanische National Oceanic and Atmospheric Administration NOAA, die das Weltraumwetter überwacht, geht von einem geomagnetischen Sturm mäßiger Stärke aus, der auch in mittleren Breiten Polarlichter auslösen könnte. Falls Ihnen eine Sichtung gelingt, würden wir uns freuen, wenn Sie Ihre Aufnahmen in unsere Leserbildgalerie einstellen. Auch der Arbeitskreis Meteore freut sich über Ihre Beobachtungsberichte.

Polarlicht nördlich von Berlin
© Thomas Helms
(Ausschnitt)
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»Nachdem es nun seit längerer Zeit keine stärkeren Polarlichter mehr in der Umgebung von Berlin zu sehen gab, waren die Aktivitätswerte am zeitigen Abend des 17. März 2015 recht gut. So entschloss ich mich, auf ein Feld im Norden von Berlin zu fahren, um unter etwas dunklerem Himmel nach einem eventuellen Polarlicht Ausschau zu halten«, berichtet Thomas Helms. »Gegen 19:45 Uhr MEZ erreichte ich das Feld und bemerkte in geringer Höhe über dem Nordhorizont einen schwachen Polarlichtbogen. Eine Stunde lang tat sich nicht viel, der Bogen wurde aber fast unmerklich heller und schien langsam höher zu steigen, bis um 20:53 Uhr MEZ einzelne senkrechte Streifen im Polarlichtbogen sichtbar wurden. Sie bewegten sich nicht stärker hin und her, sondern tauchten auf und verblassten, um an anderer Stelle neu zu erscheinen. Gegen 23:41 Uhr MEZ geriet der Polarlichtbogen in Wellen, und kurz darauf tauchten wieder senkrechte Strahlen oberhalb des Bogens auf. Mittlerweile war auch der ganze Himmel aufgehellt, was ich wohl einer leichten Bewölkung zugeschrieben hätte, wenn nicht gegen 0:30 Uhr MEZ plötzlich der Polarlichtbogen relativ schnell spurlos verschwunden wäre. Diese Aufnahme gelang um 00:08 Uhr MEZ.« Nikon D90, f/2,5, 20 mm Brennweite, 3,2 s, ISO 800.

Polarlichter können sehr variabel sein und verändern sich oft innerhalb weniger Minuten. Mal erscheinen sie als ein grünliches oder rötliches homogenes Leuchten und fallen in Stadtnähe wegen der Lichtverschmutzung kaum auf. Aber auch leuchtende Bögen oder flirrende Girlanden sind möglich. Das grüne Leuchten entsteht überwiegend durch angeregte Sauerstoffatome, die sich in Höhen von rund 100 Kilometern zum Erdboden befinden. Das rötliche bis violette Licht geht dagegen von Stickstoffatomen aus. Sein Leuchten zeigt sich meist nur nach sehr heftigen Sonneneruptionen.

Eine Gefahr für die Menschen am Boden geht von diesen Ereignissen nicht aus. Gelegentlich können aber die geladenen Partikel des Sonnenwinds die Elektronik von Satelliten verwirren, so dass es zu Aussetzern kommt. Bei extrem starken Materieauswürfen, dieser gehört nicht dazu, können durch die Änderungen im irdischen Magnetfeld starke Überspannungen in Überlandleitungen induziert werden. Dadurch werden gelegentlich Hochspannungstransformatoren überlastet, so dass in den durch sie versorgten Regionen der Strom ausfällt.