Segeln durch die Lüfte verbraucht wenig Energie – wäre da nicht vor dem Flug das Klettern zum erhöhten Startpunkt. Es macht die "Luftsprünge" für Tiere wie den Malaien-Gleitflieger (Galeopterus variegatus) energetisch teurer als den Weg durch die Baumkronen auf allen Vieren.

Malaien-Riesengleiter
© Greg Byrnes
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernMalaien-Riesengleiter
Die nachtaktiven Malaien-Riesengleiter verbringen beinahe ihr ganzes Leben auf Bäumen. Dank einer ausgedehnten Flughaut können sie sich dort nicht nur kletternd bewegen, sondern auch über Distanzen von zig Metern segeln.
Greg Byrnes von der University of California in Berkeley und seine Kollegen nutzten Datenlogger, um die Bewegungsprofile von vier Malaien-Gleitfliegern – Regenwaldbewohner Südostasiens – zu verfolgen. Beschleunigungssensoren offenbarten Gleit- und Kletterphasen. Da es für die Gleitflieger selbst keine Daten zum Energieverbrauch beim Baumstämme erklimmen oder Klettern durch die Baumkronen gibt, näherten die Forscher diese Werte aus Berechnungen für andere Tierarten an.

Im Vergleich mussten die Tiere für einen Gleitflug inklusive des Erreichens ihres Startpunkts die eineinhalbfache Energie aufwenden wie für den gleichen Weg auf allen Vieren. Der große Nutzen allerdings: Sie kamen erheblich schneller voran – und können sich so pro Tag mehr und gegebenenfalls auch zu Fuß nicht erreichbare Futterplätze erschließen. Da sie auf diese Weise womöglich mehr fressen, wird die Energiebilanz vielleicht doch ausgeglichen, spekulieren die Forscher. Außerdem ermögliche ihnen der Sprung, sich schneller vor einem Räuber in Sicherheit zu bringen.

Riesengleiter im Flug
© Greg Byrnes
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernRiesengleiter im Flug
Über hundert Meter können Malaien-Riesengleiter im Energie sparenden Segelflug zurücklegen. Für die Bilanz allerdings muss auch das Erklimmen des Startpunkts eingerechnet werden – und das kostet mehr Energie als das Durchqueren der Baumkronen auf allen Vieren.
Insgesamt betrachtet sei der Unterschied in der Energiebilanz aber auch gar nicht so bedeutend, erklären die Forscher weiter: Die Malaien-Gleitflieger verbringen weniger als ein Prozent ihrer täglichen Aktivität kletternd und sogar nur ein viertel Prozent mit Gleitsprüngen. (af)