Einem Team der University of California in Santa Cruz und der Carnegie Institution of Washington ist der Nachweis zweier weiterer Planeten gelungen, die um Gliese 581 – einen veränderlichen Stern im Sternbild Waage – ihre Bahnen zie­hen. Gleich mehrere Besonderheiten zeich­nen diese nunmehr fünfte und sechs­te Planetenentdeckung um den Roten Zwerg der Spektralklasse M 2.5 V aus: Der Planet mit der Bezeichnung Gliese 581 g liegt in der habitablen Zone, besteht möglicherweise aus Gestein, und hat ausreichend Masse, um eine eventuell vor­han­de­ne Atmosphäre zu halten. Damit gilt Gliese 581 g unter den bislang bekannten Exoplaneten als "erdähnlichster" Planet.

Das Exoplanetensystem Gliese 581
© SuW-Grafik
(Ausschnitt)
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Gliese 581 ist mit einer Entfernung von rund 20 Lichtjahren einer der hundert son­nen­nächs­ten Sterne, weshalb er schon lan­ge im Fokus von Planetenjägern steht. Die Entdeckung von Gliese 581 g gelang mit Hilfe der Radialgeschwindigkeitsmethode und basiert auf einer elfjährigen Be­ob­ach­tungs­rei­he mit dem HIRES-Spektrometer am Keck-1-Teleskop auf Hawaii. Gliese 581 g hat die etwa drei- bis vierfache Masse der Erde und umrundet sein Zentralgestirn in 36,6 Erdentagen. Seine Größe wird auf das 1,2- bis 1,4-Fache des Erddurchmessers geschätzt. Aus beiden Pa­ra­me­tern lässt sich folgern, dass Gliese 581 g ein Gesteinsplanet ist, dessen Anziehungskraft eine Atmosphäre dauerhaft halten könnte.

Die habitable Zone ist jener Abstandsbereich, in dem ein Planet um sein Zentralgestirn kreisen muss, damit Wasser auf seiner Oberfläche dauerhaft in flüssiger Form vorhanden sein kann. Das ist freilich nur eine der vielen Voraussetzungen für Leben, wie wir es auf der Erde kennen. Allein aus diesem Grund ist es rein spekulativ, aus nur we­ni­gen Ähnlichkeiten zu unserem Sonnensystem auf das Vorhandensein von Leben zu schließen. Was das Entstehen von – wie auch immer geartetem – Leben auf Gliese 581 g recht unwahrscheinlich erscheinen lässt, ist allein die Tatsache seiner gebundenen Rotation: Der Planet rotiert während ei­nes Umlaufs um Gliese 581 genau ein Mal und wendet ihm daher stets dieselbe Seite zu. Deshalb dürfte zwischen seiner Tag- und seiner Nachtseite ein großes Temperaturgefälle herrschen. Besitzt der Planet tatsächlich eine – wie auch immer geartete – Atmosphäre, so dürften auf seiner Oberfläche starke und dauerhafte Stürme die Regel sein.

Aus anthropozentrischer Sicht war un­ser Sonnensystem bis zum Jahre 1992 ein Uni­kum im All: Im Zentrum ein Stern, um­kreist unter anderem von Planeten aus Gestein und Gas, darunter unsere Erde in der habitablen Zone. Nur in der Theorie kreisten bis zu diesem Jahr Planeten auch um andere Sterne – bis 1992 die beiden ersten Planeten im Orbit eines 980 Lichtjahre entfernten Sterns eindeutig nachgewiesen wurden. Allerdings waren direkt echte Exoten entdeckt worden, weil der Mutterstern PSR B1257+12 ein Pulsar ist. Bis zur Entdeckung der ersten Planeten um einen sonnenähnlichen Stern vergingen noch drei Jahre. Durch verfeinerte Beobachtungsmethoden nimmt die Zahl bekannter Exoplaneten seit 1995 stetig zu: Mit der aktuellen Entdeckung sind bis da­to schon 492 Planeten in 413 Planetensystemen bekannt (Stand: 30. September 2010). Und immer kleinere Planeten werden mit modernen Systemen nachweisbar. Steven Vogt von der University of California zieht einen naheliegenden Schluss aus dem jüngsten Planetenfund: "Der Um­stand, dass wir diesen Exoplaneten so schnell und in nach astronomischen Maßstäben so geringer Entfernung zu uns entdeckt haben, lässt vermuten, dass Planeten dieser Art keine Seltenheit in unserer Milchstraße sind."

Stefan Oldenburg