Während vielleicht eineinhalb Jahrhunderten zählte er zu den bedeutendsten Göttern des römischen Pantheons: Iupiter Optimus Maximus Dolichenus. Als die Römer im ersten nachchristlichen Jahrhundert die südosttürkische Region Kommagene in ihr Imperium integrierten, wurde der im Orient seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. verehrte Gott insbesondere bei den Legionären populär. Nun sind Forscher der Universität Münster in Doliche, dem zentralen Heiligtum zu Ehren von Iupiter Dolichenus, auf ein neues Abbild gestoßen.

Forschungsstelle Asia Minor WWU Münster
© Forschungsstelle Asia Minor WWU Münster
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernIupiter Dolichenus …
Auf einer früher entdeckten älteren Darstellung des Gottes auf einer Basaltstele erscheint er noch in exotisch anmutenden orientalischen Gewändern und mit einem konischen Hut. Der jetzige Fund – eine zehn Zentimeter große bronzene Skulptur, die zwischen der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. entstand, zeigt hingegen einen anderen Iupiter Dolichenus. Zwar trägt auch er einen konischen Hut, doch ist er ansonsten in römische Militärtracht mitsamt Waffengurt, Umhang und Sandalen gekleidet. Obwohl beide Funde aus römischer Zeit stammen, hatte sich das Bild des Gottes im Lauf der Zeit offenbar grundlegend verändert.

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(Ausschnitt)
 Bild vergrößernAuch diese Basaltstele …
"Römische Soldaten müssen zur Verehrung des Gottes immer wieder nach Doliche gekommen sein," so der Ausgrabungsleiter Engelbert Winter. Über das reichsweite Netzwerk der Soldaten hat sich der Kult mit entsprechender Romanisierung im gesamten Imperium verbreitet. Selbst in Rom erhielt Iupiter Dolichenus einen Tempel, doch sein Zentralheiligtum blieb bis zum Ende seines Kultes in der Mitte des 3. Jahrhunderts Doliche.

Iupiter Dolichenus ist mit seiner Angleichung an römische Bräuche keine Seltenheit: Auch andere orientalische Götter wie Isis oder Mithras fanden ihren Weg in den römischen Götterkult.

Nicole Mai