Seine Grundfläche entspricht derjenigen der gesamten Britischen Inseln, der Gipfel ragt 4000 Meter in die Höhe – liegt dann aber immer noch zwei Kilometer unter dem Meeresspiegel. Mit diesen Dimensionen gilt das Tamu-Massiv als einer der größten Vulkane der Erde oder sogar des gesamten Sonnensystems. Doch wie ist er entstanden? Darüber sollen Daten Aufschluss geben, die William Sager von der University of Houston und sein Team während einer Messfahrt im Pazifik an Bord des Forschungsschiffs R/V Falkor gesammelt haben. Unter anderem vermaßen die Wissenschaftler das Relief des Bergs und im Gestein gespeicherte Magnetfeldausrichtungen, die sich im Verlauf der letzten 145 Millionen Jahre mehrfach geändert hatten – so alt ist der Vulkan nach bisherigem Kenntnisstand.

Er entstand demnach im Kontaktbereich von drei verschiedenen Mittelozeanischen Rücken, aus denen jeweils Lava austrat und zu festem Gestein erstarrte. Während des Abkühlens orientierten sich darin befindliche Eisenverbindungen nach dem Erdmagnetfeld und bewahrten damit die zum Entstehungszeitpunkt vorhandenen Magnetpolpositionen. Insgesamt sammelten Sager und Co 1,7 Millionen Magnetfelddaten. Sie deuten an, dass das Tamu-Massiv zum größten Teil tatsächlich so ähnlich entstanden ist wie heute die Mittelozeanischen Rücken: Frische Gesteinsschmelze drang in einer zentralen Spalte nach oben, lagert sich auf beiden Seiten davon ab, erstarrt und drückt dabei älteres Material nach außen – das klassische Seafloor Spreading der Plattentektonik. Die Haupterhebung des Massivs kann dieser Prozess jedoch nicht erklären; sie zeichnet sich in den Magnetfelddaten als ein einförmiger Klumpen ab – was auf einen völlig anderen Entstehungsprozess hinweist. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um eine gewaltige Magmablase aus dem Erdmantel, die durch die Erdkruste nach oben drückt und den Vulkanismus speist: einen so genannten Mantelplume. Sollte sich dies bestätigen, wäre das Tamu-Massiv einer der wenigen Orte auf der Erde, wo ein Mantelplume direkt mit einem Dreifachknoten verschiedener Ozeanrücken in Verbindung steht, erklärte Jörg Geldmacher vom Helmholtzzentrum für Meeresforschung GEOMAR in Kiel gegenüber "Scientific American".