Im Rahmen des Human Connectome Project sammeln Forscher Daten über die neuronalen Verknüpfungsmuster von insgesamt 1200 Erwachsenen. Der Hirnscanner verrät dabei, wie stark die einzelnen Hirnregionen miteinander vernetzt sind. Alle Probanden machten darüber hinaus Angaben zu ihrer Ausbildung, ihrem Beruf, zu Drogenkonsum Schlafqualität, Konfliktverhalten, IQ und vielen weiteren – alles in allem 280 – Merkmalen der individuellen Lebensführung.

Die Werte von 460 Teilnehmern hat nun ein Team um Stephen Smith von der University of Oxford statistisch analysiert und dabei herausgefunden: Je stärker ein Mensch im Sinne dieser 280 Faktoren einen "positiven" Lebenswandel führte, desto deutlicher war in seinem Gehirn ein besonderes Verknüpfungsmuster ausgeprägt. Am anderen Ende der Skala lagen Menschen mit "negativen" Werten: Bei ihnen folgte die Verschaltung der Hirnregionen weniger stark dem gefundenen Muster, sie berichteten zudem häufiger von Drogen- und Alkoholmissbrauch und wiesen problematische Persönlichkeitsmerkmale wie Aggressivität auf.

Das Verknüpfungsmuster tritt erst bei komplexen statistischen Analysen zu Tage und manifestiert sich im Ausmaß, mit der zwei gegebene Hirnregionen miteinander kommunizieren, wenn sich der Proband in Ruhe befindet und keine besonderen Aufgaben löst. Auf anatomischer Ebene können beispielsweise dicke Faserbündel dafür verantwortlich sein, dass zwei Regionen in erhöhtem Maß miteinander kommunizieren. Die Wissenschaftler teilten das Gehirn in insgesamt 200 Areale auf. Einige davon waren besonders prominent am aufgefundenen Muster beteiligt. Sie liegen insbesondere in Hirnregionen, die schon in früheren Studien mit höheren kognitiven Aufgaben, wie Langzeitgedächtnis oder Problemlösefähigkeit, in Verbindung gebracht wurden.

Ein hoher IQ war allerdings nicht allein dafür verantwortlich, dass jemand an das "gute" Ende der Lebensführungsskala rutschte. In dem Verknüpfungsmuster scheinen sich demnach mehrere begünstigende Faktoren auszudrücken. Unklar ist zudem, ob das Muster eine Folge "guter" Lebensführung ist oder sie verursacht – mit anderen Worten, ob es nützlich wäre, seine Herausbildung im Gehirn in irgendeiner Form zu begünstigen, wenn dies möglich wäre. Da es sich primär um ein statistisches Phänomen bei der Untersuchung großer Probandengruppen handelt, ist auch nicht gesichert, dass sich die Erkenntnisse unmittelbar auf die Verhältnisse bei einzelnen Menschen herunterbrechen lassen. Eine Person, bei der sich das Verknüpfungsmuster nicht sonderlich deutlich nachweisen lässt, kann also durchaus ein erfolgreiches und glückliches Leben führen.