Beim Verstehen von Sprache scheint auch die Haut eine wichtige Rolle zu spielen: Ein kleiner Luftzug auf derselben verschiebt die Wahrnehmung von Silbenlauten.

Bryan Gick und Donald Derrick von der kanadischen University of British Columbia in Vancouver spielten ihren Versuchspersonen Silben wie "pa" und "ba" oder "ta" und "da" vor. Gleichzeitig verabreichten sie ihnen einen Lufthauch auf dem Handrücken oder am Nacken.

Tatsächlich beeinflusste dieser Luftzug das Gehör: Die meisten Probanden nahmen dann stimmlose, aspirierte Silben wie "pa" und "ta" wahr. Ohne diesen taktilen Reiz hörten sie stattdessen eher stimmhafte Laute wie "ba" und "da". Die Forscher schließen daraus, dass auch der Tastsinn der Haut bei der Sprachwahrnehmung mitwirkt.

1976 hatte der Entwicklungsphysiologe Harry McGurk von der University of Surrey einen ähnlichen Effekt entdeckt: Probanden wird auf einem Bildschirm eine Person gezeigt, welche die Silbe "ga" spricht; gleichzeitig ertönt der Laut "ba". Die Versuchspersonen nehmen dann einen Mischlaut "da" wahr. Dieser "McGurk-Effekt" gilt als klassischer Beleg, dass die akustische Wahrnehmung auch durch visuelle Reize beeinflusst wird. (aj)